5th February 2012

Filmreview: Evan Allmächtig

Posted by Reviewnator on August-8-2007 Add Comments

Evan Allmächtig

Jim Carrey war 2003 als Bruce Nolan unschlagbar. Sagenhafte 484 Millionen USD Umsatz verschaffte er dem Studio mit ‚ Bruce Allmächtig’. Ein stolzer Profit bei einem Produktionsbudget von nur 81 Mill USD. Es erscheint daher ein wenig seltsam, das Universal diese Rechnung nicht noch einmal wiederholen möchte und stattdessen jetzt mit der Sequel „Evan Allmächtig“ die teuerste Komödie aller Zeiten kreierte. Fragt sich nur, ob sich die 175 Mill USD gelohnt haben.

Steve Carells Karriere, das muss man zugeben, hat sich seit der Daily Show ganz schön verändert. Nicht nur, weil ihm plötzlich überall Paparazzi auflauern und er zu den wichtigsten Award Shows eingeladen wird, sondern weil im Moment scheinbar alles was er anfasst zum Hit wird. Vom satirischen Korrespondenten zum Hollywood Star. Und diesen steilen Weg nach oben mit Erfolgsprojekten wie „The Office“, „40 Year Old Virgin“ und „Little Miss Sunshine“ hat Carell nur einer einzigen Rolle zu verdanken – seine grimassenschneidende Darstellung des Evan Baxter in ‚Bruce Allmächtig’. So lag es nach der Absage von Jim Carrey und Jennifer Aniston sicherlich auch auf der Hand, dem inzwischen Golden Globe Gewinner die Hauptrolle in der Fortsetzung „Evan Allmächtig“ anzubieten. Einen, im Gegensatz zu Teil 1, auf die Familie fokussierten Film mit einer bedeutenden Nachricht.

Der neu gewählte Congressman Evan Baxter (Carell), seine Frau Joan (Lauren Graham) und seine drei Söhne sind auf dem Weg nach Washington. Seiner bevorstehenden Aufgabe als verlängerter Arm des Volkes sehnt er sich nicht nur entgegen, er fühlt sich auch mit dem Slogan ‚erfolgreich, machtvoll, attraktiv und glücklich’ selbstbewusster denn je. Doch noch am Abend vor seinem ersten Arbeitstag schlägt plötzlich die Nervosität zu. Und so bittet Evan den allmächtigen Gott (Morgan Freeman) um Unterstützung bei seiner Vision die Welt zu verändern. Aber ganz nach dem Motto ‚sei vorsichtig was du dir wünschst’, liefert ihm ein Bote am nächsten Morgen eine Kiste mit archäologisch aussehendem Handwerkszeug. Einen Tag später sogar massenweise Holz. Evan ist sicher es handelt sich um ein Missverständnis. Eine falsche Adresse. Doch die Situation ändert sich schlagartig, als plötzlich ein Mann in weißer Kleidung von ihm verlangt, unter Zeitdruck eine Arche zu bauen. Und als ihm nach und nach auch noch die verschiedensten Tierpärchen hinterherlaufen, weiß Evan nicht mehr was er machen soll. Er steht vor dem Dilemma von seiner Familie und dem Congress für verrückt gehalten zu werden.

Steve Carrell und Morgan Freeman in Evan Allmächtig

„Evan Allmächtig“ ist eigentlich weniger eine Fortsetzung als ein Spin-off von ‚Bruce Allmächtig’. Noch dazu eine äußerst saubere Version ohne jegliche anstößige Bemerkungen oder Andeutungen dafür aber mit viel Trubadou und Aufwand. Ein Familienfilm eben, der für jedermann zugängig ist. Das hat zum einen zwar eine breitere Zielgruppe zum Vorteil, zum anderen aber eine enttäuschte Erwartungshaltung zum Nachteil. Denn die Geschichte läuft dieses Mal auf einem eher kindlichen Niveau, mit dem ich nicht rechnete. Und das bedeutet, dass Anfangsteens über einen Unfall mit dem Hammer immer wieder lachen werden, Erwachsene aber beim zweiten dicken Daumen die Augen rollen. Klassischer Slapstick, kombiniert mit intelligenten Wortspielen und sicherem Humor ist der rote Faden des Filmes. Abgesehen natürlich von der Moral. Und die heißt – jedenfalls nach Steve Oedekerks Drehbuch: if you want to change the world perform an Act of Random Kindness (ARK, aahhhh). So wird dem Zuschauer, abgesehen von der Entstehung der Arche Noah, auch das Umweltproblem, die Korruption Washingtons und die Wichtigkeit des Familienzusammenhaltes nähergebracht. Nachvollziehbar, „Evan Allmächtig“ daher als PG Film zu drehen und die (verdorbenen) Nachkommen mit kleinen aber charmanten Bibel-Lektionen über „In God we trust“ aufzuklären. Man muss sie schließlich jung auf ihre Seite ziehen.

Steve Carell als Evan macht dabei eine nicht schlechte Figur und erscheint dem Zuschauer sogar sehr sympathisch. Er nimmt auf der Liste der physischen Schauspieler hinter Jim Carrey und Robin Williams vielleicht sogar schon Platz 3 ein. Allerdings ist sein Gehalt mit (nur) 5 Mill USD aber auch deutlich niedriger. Gerade deshalb wäre es jetzt für ihn wohl an der Zeit, sein Repertoire etwas auszuweiten. Wer will schon die Kopie wenn er das Original haben kann. Einen Genrewechsel wünsche ich auch Lauren Graham, der Star der (leider) abgesetzten Gilmore Girls, die hier niemandem die Show stiehlt. Ihr Talent ist in diesem Film nicht genutzt worden. Morgan Freemans Wandlungsfähigkeit auch nicht. Aber warum auch, er ist Gott. Ein und dieselbe Person. Egal welcher Teil im Franchise. Wer allerdings eine Freude im Cast darstellt ist Wanda Sykes. Ob als Stand-up auf der Bühne oder als Assistentin Rita im Film – sie ist und bleibt die Frau mit der scharfen Zunge. Letztendlich aber die Nummer 1 unter den Charakteren stellen die vielen Tiere dar. Auch wenn ich mich frage, wieso bei Auftauchen dergleichen, sich im Film niemand beschwert hat. Sie sind es auch, die die an sich schon enormen Produktionskosten noch deutlicher in die Höhe getrieben haben. Affen beizubringen eine Arche zu bauen, und auf Kommando Limonade zu trinken, kostet eben.

Letztendlich ist „Evan Allmächtig“ aber – auch wenn lustig – aufgrund des PG Ratings leider eine minderwertige Fortsetzung von ‚Bruce Allmächtig. Und darüber freuen wird sich vor allem Sony, die nach Zusammenrechnen der immer steigenden Kosten das Projekt ganz an Universal übergaben. Doch sehen sollte man den Film allemal. Ob nun im Kino mit der Familie oder auf DVD allein zu Hause. Und die nehme ich an, kommt schneller als Universal dachte.

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