Eigentlich ist es ein Dilemma und eine persönliche Schande jemals gedacht zu haben, die USA sei das beste Land der Welt. Ich verbuche diese dumme Logik mal als jugendliche Naivität. Zum einen, weil abgesehen vom verherrlichten Glitzer und Glamour der Musik-, Film- und Fernsehindustrie absolut gar nichts wirklich glitzert. Und zum anderen, weil ihre Gesetze, Regeln und Logiken so veraltet und konservativ sind, dass Europa der angeblichen Weltmacht Jahre voraus ist. Und dabei steht das Thema ‚Gay Rights’, welches in der derzeitigen Präsidentschaftskandidatur ein absolut heißer Faktor ist, an der Front der Gemüter. Ein für Amerika immer noch explosiver unaussprechbarer Gegenstand, dem sich jetzt der Film „Chuck und Larry – Wie Feuer und Flamme“ (orig. ‚I now pronounce you Chuck and Larry’) angenommen hat.
Chuck Levine (Adam Sandler), ein Frauenheld vom Feinsten, und Larry Valentine (Kevin James), ein trauernder Witwer und zweifacher Vater, sind angesehene Feuerwehrmänner New Yorks und seit Jahren die besten Freunde. Sogar so gute, dass sie alles füreinander tun würden, ohne Rücksicht auf Verluste. Und wie sehr sie sich aufeinander verlassen können, merkt Chuck auch wieder, als ihm Larry bei einem Einsatz inmitten von Flammen und einstürzenden Bauten das Leben rettet. Doch während Chuck sich kurze Zeit später wieder einsatzfähig mit mehreren Damen im Bett tummelt, hat Larry derweil ein ganz anderes Problem. Ihm ist es aus bürokratischen Gründen einfach nicht möglich seine Lebensversicherung von seiner nun toten Frau auf seine Kinder umzuschreiben. Egal mit wem er redet, egal wie sehr er sich bemüht. Die Ämter schalten auf stur – es sei denn, er vermählt sich wieder. Ohne allerdings auch nur einen Gedanken an eine neue Frau verschenken zu können, bittet Larry daher Chuck um Hilfe die Gesetze zu umgehen und seine Kinder abzusichern, sollte er durch seine risikoreiche Arbeit tödlich verunglücken. Seine Lösung – das Vortäuschen einer homosexuellen Beziehung. Doch das Glück geheimer schwuler Zweisamkeit währt nicht lange, als Clint Flitzer (Steve Buscemi), ein Beauftragter der Stadt, der Legitimität wegen nachforscht. Auf Anraten ihrer Anwältin (Jessica Biel) gezwungen in Kanada offiziell zu heiraten und nach einer Konfrontation in allen Zeitungen geoutet, finden Chuck und Larry sich in einer ungeahnten Situation mit der Umwelt.
Selbst wenn das Drehbuch von Barry Fanaro und Alexander Payne geschrieben wurde, merkt man eindeutig Adam Sandlers Handschrift. Die offensichtlichen Witze, die vorauszusehende Storyline, die übertriebene Situationskomik, die Anstellung von Freunden und Verwandten (Sandlers Mutter, Schwester usw.) – alles scheint im Hinblick auf vorangegangene Projekte des Schauspielers ein bunter Mix seines Einflusses zu sein (er ist auch Produzent). Allerdings, eindeutig witziger, erwachsener und mit einer Botschaft an alle, die Respekt und Toleranz ganz weit hinten in ihrer täglichen Lebensphilosophie anstellen. Zumal er mit Kevin James einen Filmpartner gefunden hat, mit dem er nicht nur hervorragende Chemistry hat, sondern der der ganzen Angelegenheit auch den charmanten Witz verpasst. Sein Ying zum Yang sozusagen.
Dass der Film auf Stereotypen und Gay jokes ausgelegt ist, sollte anhand der Geschichte (und Sandler) niemanden wundern. Dabei gehören Regenbogenfahnen, Drag Queens, Musicals, Kostümbälle, Musik von Wham, verlorene Seife beim Duschen, Schwulenhasser mit Plakaten, Slang etc. genauso dazu wie die plötzlich arglose Intimität zwischen einer Frau und einem Schwulen, die ihn sorglos ihre Brüste anfassen lässt oder die immer wieder verheimlichte sexuelle Neigung von Nachbarn und Kollegen. Alles erdenklich Banale wird dabei ausgeschlachtet. Somit zeigt der Film, selbst wenn er für die Toleranz Homosexueller ist, logischerweise auch nur eine limitierte Vorstellung davon was es eigentlich heißt schwul zu sein. Klar, es ist ja auch eine Komödie. Und die Lacher zu diesem Thema erfährt man eben nur, wenn man es so homophob wie möglich gestaltet. Und das, ist „Chuck und Larry“ absolut gelungen. Eingefleischte Aktivisten, welche bestimmt beleidigt auf die Barrikaden steigen, werden sich daher mit dem nur sporadisch anzufindenden Unterton der gewünschten und geforderten Akzeptanz nicht begnügen. Gleichberechtigung für alle wich hier der Komik.

Kevin James (King of Queens), mimt somit – wie schon in ‚ Hitch’ – den liebenswürdigen, sympathischen kleinen Dicken zum knuddeln. Einen Mann, dem man niemals den Serienkiller oder Drogenabhängigen abnehmen würde und der mit Komödien sein Leben lang seine Villa finanzieren wird. Ohne ihn als Gegenpol wäre der Film zu sehr ins Lächerliche geraten. Mit ihm, als trauernder sorgvoller Vater, verwehrt er Sandler den typischen Ausbruch in stimmgewaltige Songs oder übertriebenen Slapstick. Demnach hat sich Adam Sandler hier auch zurückhalten müssen und stattdessen seine Energie dem sexgeilen Hetero gewidmet. Ich bin mir allerdings noch nicht ganz sicher, ob ich ihm diesen Macho abnehmen kann. Jessica Biel, als attraktive heiße Anwältin der beiden (inklusive Brille), scheint aufgrund ihrer rigorosen Gymaktivitäten mehr gefragt denn je zu sein und machte es sich zur Aufgabe allen visuell mitzuteilen – kein Silikon vorhanden. Ihre Rolle der Alex McDonough ist zwar nicht einschneidend wichtig, sorgt aber für den gewissen Ausgleich bei Männern. Erwähnenswert und gut mit eingefädelt hinsichtlich der Storyline sind aber auch die Cameos der gerade erst geouteten, noch unter „Beobachtung“ stehenden oder einfach nur skandalträchtigen Personen der amerikanischen Kultur wie Lance Bass, Richard Chamberlaine, Rachel Dratch, David Spade, Rebecca und Jessica Donahue usw. Allerdings muss man, um ihre Präsenz zu verstehen, ein bestimmtes Wissen amerikanischer Tabloids haben.
„Chuck und Larry – wie Feuer und Flamme“ macht einen weiteren Schritt hinsichtlich der Auseinandersetzung zwischen Hetero und Homo. Dabei zeigt er aber – im Gegensatz zum dramatischen ‚ Brokeback Mountain’ – dem Zuschauer in komödiantischer Sandler-Manier die oft und überall zu findende homophobe Umwelt. Der Film ist oft an der Grenze zur dummen Komödie, meiner Meinung nach aber zu gut um ihn zu hassen.










