Sein Name: Dexter Morgan. Sein Beruf: Forensiker, spezialisiert auf Blutspritzeranalyse, beim Miami-Dade Police Department. Seine Leidenschaft: Menschen töten. Sein Leben: Eine einzige Lüge.
So, könnte man in vier Stichpunkten zusammenfassen, was in den USA von Kritikern gelobt und von vielen Zuschauern geliebt wird. „Dexter“ ist eine tiefgründige und mitreißende Action/Drama TV-Serie, dessen erste Staffel letztes Jahr auf dem US-Sender Showtime ausgestrahlt wurde. Gibt man bei Google Suchbegriffe wie „best TV-Shows“ oder „top 100 TV-Series“ ein, taucht in mindestens 60 % der Listen die Serie unter den Top 5 auf. Für den Reviewnator natürlich ein Grund, sich intensiv mit Bloodpattern, gejagten Killern und heimlichen Leidenschaften auseinander zu setzen.

Dexter Morgan scheint auf den ersten Blick ein ganz normaler Mensch zu sein. Beim Miami-Dade Police Department gilt er als Top-Forensiker und netter Kollege. Feinde hat er kaum, da er wie er selbst sagt, „Probleme anderer besser lösen kann als seine eigenen“. In das Drama wird der erwartungsvolle Zuschauer gleich zu Beginn mitten hinein gesetzt. Der so genannte „Ice Truck Killer“ treibt in Miami sein Unwesen. Höchst brutal tötet er seine Opfer und entnimmt ihnen sämtliches Blut – und damit auch den genetischen Fingerabdruck. Diese Verbrechen stellt die Polizei vor Rätsel, die scheinbar nur Dexter mit seinen Fähigkeiten lösen kann. Dabei ahnt er nicht, dass ihm der Killer nähersteht als ihm lieb wäre…
Neben diesem Handlungsstrang gibt es in „Dexter“ noch 3 weitere. Zum einen wäre da Dexters dunkle Seite als Serienkiller. Bereits mit vier Jahren muss er zusehen, wie seine Mutter von einem Drogendealer mit einer Kettensäge geteilt wird – und hat seither den Drang, Menschen zu töten. Doch tut er das nicht wahllos. Seine Opfer sind stets selbst Täter, die durch die Nischen des Polizeisystems gefallen sind. Erst wenn Dexter sich zu 100 % sicher ist, dass sich hinter seinem Opfer selbst ein Killer verbirgt, greift er zu. Ein Gegenpol zu Gewalt und Mord sind die beiden Nebenhandlungen, die sich um Dexters Freundin Rita und seine Schwester Debra drehen. Beide Frauen sind extrem unsicher und durch eine unschöne Vergangenheit psychisch stark angeschlagen. Sie versuchen sich an Dexters oberflächlich proklamierter, mentaler Stärke und Selbstsicherheit festzuklammern und wissen natürlich nichts von dessen Doppelleben.

Gekonnt schafft es Produzent Daniel Cerone eine atmosphärisch dichte TV-Serie zu schaffen, die zu kaum einen Zeitpunkt an Spannung nachlässt und viel freien Raum für neue Ideenkonzepte bietet. Storytechnisch komplex und dennoch so begreiflich, dass man nach einer Woche Sendepause nicht den Faden verloren hat. Neben der inhaltlichen Komponente ist aber vor allem die schauspielerische Leistung von Dexter-Darsteller Michael C. Hall hervorzuheben. Durch sein ominöses Auftreten und seiner manchmal psychedelisch wirkenden Off-Stimme vermittelt er dem Zuschauer ein ständiges Gefühl der Unsicherheit, ab und an sogar Ekel und Abneigung.

„Dexter“ macht ohne Zweifel bereits nach den ersten beiden Episoden süchtig. Trotz eines sich leicht schleppenden Mittelteils und einem sichtbar geringen Produktionsbudgets verblüfft diese unorthodoxe TV-Serie in vollen Maßen. Wer also neben den ganzen Action-Highlights wie „Heroes“, „Prison Break“ oder „24“ noch eine ruhigere Serie mit Tiefgang sucht, ist bei „Dexter“ genau richtig. Bis dato gibt es leider noch keine DVD der ersten Season im Handel, ein Buch namens „Darkly Dreaming Dexter“ existiert jedoch und gilt als Vorlage für die Storyline. Season 2 ist übrigens gerade in der Mache und soll ab dem 30. September 2007 auf Showtime laufen.










