7th February 2012

Filmreview: Die Regeln der Gewalt

Posted by Reviewnator on Oktober-10-2007 Add Comments

Die Regeln der Gewalt

Manchmal fragt man sich, für wie blöd man als deutscher Kinogänger gehalten wird. Denn anstatt einen Filmtitel in seinem vielleicht nicht verständlichen, dafür aber griffigen Originaltitel zu belassen, überlegt man sich einen eingedeutschten, entweder grausam schlecht übersetzten oder einfach nur peinlichen Titel, bloß, damit auch der letzte Depp ihn aussprechen kann.

So wurde aus „Meet the Fockers“ beispielsweise der ungelenke „Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich“, aus „Jaws“ wurde „Der weisse Hai“, aus „Tremors“, „Im Land der Raketenwürmer“ und jüngst aus „The Brave One“, „Die Fremde in Dir“. Das letzte Beispiel zeigt, dass oftmals wohl auch Überlegungen der „political corectness“ eine Rolle spielen, denn die Bezeichnung des Racheengels Jodie Foster als „mutig“ kam in den USA sicher besser an als in Deutschland. Und stolpert man bei „Die Regeln der Gewalt“ zumindest vom Titel her über ein äußerst abgedroschenes und belangloses Machwerk, so verdient der Film dahinter deutlich mehr Aufmerksamkeit. Mit „The Lookout“ ist Scott Frank (Drehbuch „Out of Sight“, „Minority Report“) ein meditativer Thriller gelungen, der sich positiv von der Masse abhebt.

Chris Pratt („Mysterious Skin“, „Brick“) hatte eine rosige Zukunft vor sich. Reich und beliebt, talentiert im Eishockey, Frauenschwarm, also eigentlich alles, wovon ein Durchschnittsjugendlicher in Amerika träumt. Doch seine Chancen zerplatzen im Nu, als seine eigene Leichtsinnigkeit einen schweren Autounfall zur Folge hat, der zwei seiner Freunde tötet und ihm selbst einen mentalen „Zustand“ beschert, der dem Hauptakteur aus „Memento“ ähnelt. Er kann sich weder die einfachsten Dinge merken, noch schafft er es, einfache alltägliche Handlungen ohne Anleitung auszuführen.

Jetzt lebt er in einer Art therapeutischen WG zusammen mit dem blinden Lewis (Jeff Daniels). Gegenseitig versuchen sie ihre jeweiligen Defizite auszugleichen. Finanziell unterstützt von seinen Eltern, arbeitet er in einer Bank als Hausmeister. Zuerst scheint es Zufall, dass ihm plötzlich Gary Spargo (Matthew Goode) begegnet und sein Leben aufpeppt. Chris genießt die neue Anerkennung, als Gary ihn in seinen Freundeskreis einführt und ihn außerdem mit der hübschen Luvlee (trotz des Namens definitiv kein Kandidat für Flava Flav) bekannt macht, mit der sich seit Langem wieder eine Frau für ihn zu interessieren scheint. Erst zu spät bemerkt Chris, dass er Teil eines Plans geworden ist, der immer weitere Kreise zieht.

Die Regeln der Gewalt

Diese wenigen Zutaten reichen aus, um aus dem Film etwas Besonderes zu machen. Wobei das Besondere wohl auch der Person Joseph Gordon-Levitt‘s zu verdanken ist. Zwar ist Jeff Daniels als blinder „Dude“ ebenfalls ein Highlight, doch gegen Gordon-Levitt kommt er nicht an. Nicht umsonst wird Gordon-Levitt jetzt schon mit Humphrey Bogart verglichen. Seine Coolness ist  fast schon beängstigend.

Beängstigend ist auch, wie hilflos er sich als Chris Pratt in die falschen Kreise begibt, nur um einen kleinen Teil seiner Anerkennung zurückzubekommen. Dabei sind seine Motive so einfach wie nachvollziehbar: Wer das Geld hat, hat die Macht! Und das ist es, was er möchte. Macht über sein eigenes Leben haben. Und weil man den Helden der Geschichte so gut verstehen kann – was definitiv auch Verdienst Gordon-Levitt‘s ist, wird der Film trotz seiner langsamen Erzählweise fesselnd.

Auch wenn der Showdown und einige andere Elemente sehr an „Fargo“ erinnern, und sich die eigentlich so fiesen Bösewichte doch an mancher Stelle selten dämlich anstellen, so besitzt der Film dennoch eine Originalität, die ihn von den typische „Heist-Movies“ abgrenzt. Nicht das Verbrechen an sich steht im Vordergrund, sondern die Figur des Chris, der Frieden und Vergebung sucht für etwas, das kaum zu vergeben ist. Alles in allem ist „The Lookout“ also eine durchaus sehenswerte „Thriller-Meditation“ mit einer überragenden darstellerischen Leistung und einigen Schwächen in der Dramaturgie.

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