19th May 2012

Bollywood: Mehr als quietschende Lieder und Liebesgeschichten

Posted by Amina Hassan on November-22-2009 Add Comments

Bollywood

Wenn man den Begriff „Bollywood“ hört, denkt man automatisch an quietschbunte Lieder und Liebesgeschichten. Doch dass es auch anders geht, beweißen Regisseure die mit ihren unkonventionellen Themen das indische Kino auch für “Bollywoodgegner” und für den Rest der Welt zugänglich machen wollen.

Sanjay Leela Bhansalis 2005 erschienener Film “Black” mit Rani Mukherjee, die für ihre Darstellung den Filmfare Award (der indische Oscar) als beste Hauptdarstellerin bekam, und Amitabh Bachchan – dessen Name für Qualität auf höchstem Niveau steht und der in seiner Heimat einer Gottheit gleich verehrt wird – spielen in diesem, für indische Verhältnisse kurzen, 119 Minuten langen Film die Hauptrollen.

Bollywood - Black

Erzählt wird die auf der Biographie von Helen Keller basierende Geschichte einer jungen Frau, die weder sehen noch hören und sprechen kann. Vollkommen isoliert von der Außenwelt führt sie ein Leben in völliger Dunkelheit. Als Kind (Ayesha Kapoor bekam für diese Rolle den Filmfare Award als beste Newcomerin) ist Michelle (für den Film wurden die Namen geändert) aggressiv und eine Gefahr für sich selbst. Die verzweifelten Eltern stellen einen Lehrer (Amitabh Bachchan) ein, der ihrer Tochter helfen soll ein möglichst normales Leben zu führen. Doch Debraj Sahai, so der Name des Lehrers, wendet äußerst fragwürdige Methoden an um zu dem verstörten Kind vorzudringen. Außerdem ist er Alkoholiker. Für Michelles Eltern Grund genug ihn zu entlassen, da sie um das Wohl ihres Kindes besorgt sind.

Doch mit der Zeit gelingt es Sahai zu dem Kind vorzudringen und mit ihr in einer Art Zeichensprache zu kommunizieren. Die Jahre vergehen und aus dem kleinen Mädchen wird eine junge Frau, die studieren und leben will wie andere Frauen in ihrem Alter. Der Weg dorthin ist mit vielen Hürden versehen, doch zusammen mit Debraj, der nach wie vor ihr Lehrer und Mentor ist, der aber mit zunehmendem Alter an Alzheimer erkrankt, gelingt es ihr ein gesellschaftsfähiges Leben zu führen und sogar zu studieren. Michelle jedoch, die dank Debrajs Hilfe ein ruhiges, soweit als möglich kultiviertes Leben führt und lernbegeistert ist, hegt seit einiger Zeit mehr als freundschaftliche Gefühle für ihren Lehrer und das macht sie ihm auch auf ihre Art klar.

Bollywood - Black

Kligt nicht gerade nach dem 0815 Schema das sonst mit Bollywood assoziiert wird, nicht wahr? Und doch war „Black“, der ganz ohne Lieder auskommt, der Überraschungshit von 2005. Er ist Independentfilm auf höchstem Niveau und besticht durch die messerscharfen Darstellungen seiner Hauptakteure. Zum Beispiel Sanjay Leela Bhansali der sich nach jedem seiner Filme immer wieder neu definiert hat und mit “Black” eine vielbeachtete und von den Kritikern gelobte Geschichte über eine ungewöhnliche Freundschaft erzählt, die Hoffnung gibt und Freunde des internationalen Films begeisterte.

Ein zweites Beispiel für den Independentfilm in der indischen Filmindustrie ist der “Maqbool”. Maqbool ist eine moderne Neuadaption von Shakespeares Macbeth und ist im Mafiamilieu angesiedelt. Die Geschichte um Intrigen, Hass, Korruption und Eifersucht ist die gleiche, doch was an dem Film sonst noch fasziniert ist der Cast: Ifran Khan (bekannt aus „Slumdog Millionaire“) ist Maqbool, so gerissen und undurchschaubar. Er ist Maqbool mit Haut und Haar und seine Motive sind alle samt glasklar. Pankaj Kapur ist Abbaj (im Original Duncan) und dieser Part liegt ihm, er ist widerlich und schreckt vor nichts zurück. Tabu ist Lady Macbeth, aber hier hört sie auf den simplen Namen Nimmi. Sie ist mit Duncan/Abbaj verheiratet, aber in Maqbool verliebt und versucht ihm bei jeder sich bietenden Gelegenheit ein Liebesgeständnis aus dem sonst wortkargen Mund zu entlocken. Sie ist es auch, die zusammen mit Maqbool ihren verhassten Ehemann ermordet.

Bollywood

Doch die Tat bringt die Beiden fast um den Verstand und am Schluss stirbt sie mitsamt ihrem und Macbools ungeborenen Kind. Die dunkle Dreiecksbeziehung wird von Naseruddin Shah (der schon in “die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen” neben Sean Connery zu sehen war) und Om Puri (der eine fixe Größe im Filmgeschäft ist und in “der Krieg des Charlie Wilson” neben Julia Roberts zu sehen war) etwas auflockert. Sie sind es, die die meisten Lacher in dieser sonst von tiefschürfenden Taten lebenden Tragödie ernten. Obwohl Maqbool ein drückender Thriller ist, gibt es trotzdem vereinzelte Songeinlagen, die der Handlung etwas an Düsterheit nehmen aber sie gehören zu den Schwachstellen des Films und haben keinen Erinnerungswert.

Bollywood

Vishal Bhadwajs 2003 erschienenes und hoch gelobtes Werk ist ein Film der von Superlativen lebt. Die Handlung ist eine Aneinanderreihung menschlicher Gräueltaten, die Protagonisten die vielleicht blutrünstigsten, die Bollywood je gesehen hat. Leider werden Arthouse- oder Independentfilme meistens auf kleinen, augewählten Festivals gezeigt oder avancieren in Übersee zu Kassenschlagern, so dass sie der breiten Masse (teilweise) vorenthalten werden und die Akteure eher als Geheimtipp gelten und dem Bollywoodnormalverbraucher nicht weiter auffallen.

Ein Glück, dass es „Black“ und „Maqbool“ besser ergangen ist, denn das sind wirklich großartige Filme. Nun könnte man noch Stunde um Stunde damit verbringen, unzählige Werke des Independentfilms aufzuzählen aber belassen wir es lieber bei einigen sehr guten: „Devdas“ (ein Drama, dass 2002 gedreht wurde. Es ist eine der erfolgreichsten und kostenaufwendigsten Produktionen in Indien auch der erste Film, der bei den Filmfestspielen von Cannes gezeigt wurde).

Bollywood

„Deepa Methas Fire“ (1996) erzählt über eine Frauenfreundschaft in Indien (indisch-kanadisches Drama) und „Water“ (2005) thematisiert die Witwenschicksale in Indien. „Mr.and Mrs.Iyer“ (2002) erzählt von den Konflikten zwischen Moslems und Hindus aber im Mittelpunkt steht die Liebesgeschichte zwischen einer Hindu und einem Moslem, die ohne Kitsch und Gesang auskommt.

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