
„I’ve always felt a good album is like a glass of wine“, stand kürzlich in einem Kommentar auf der amerikanischen Musikreview-Seite thealbumproject.com. Vergleicht man John Mayers neues Album „Battle Studies“ mit einem Wein, so kommt ausschließlich ein edler Tropfen mit mildem Abgang in Betracht. Und einem sehr kleinen, faden Beigeschmack.
Im ersten Augenblick sieht man nur das Naheliegende: Was sich im Weinglas befindet ist entweder rot oder weiß. Doch bei jedem Schluck aus dem Kelch entfalten sich die verborgenen Aromen und geben die wahre Identität des Weins frei. Ähnliches widerfährt einem bei den ersten Hörproben von „Battle Studies“. Das vierte Studioalbum des Sonnyboys aus Connecticut offenbart sich erst auf den zweiten Blick. Das ist grundsätzlich nichts Neues, auch der Vorgänger braucht mindestens 8 Durchläufe um seinen Flavor zu entfalten. Doch im Gegensatz zum wirklich außergewöhnlich guten „Continuum“, entfaltet „Battle Studies“ nur teilweise das, was Weinkenner „classic material“ nennen.

Bereits der Opener „Heartbreak Warfare“ gibt dem Album das Thema und die Grundstimmung vor. Wie von Mayer angekündigt handelt „Battle Studies“ von den Unwegsamkeiten der Liebe, von gescheiterten Beziehungen und vom Genuss der Einsamkeit. So erklärt sich Mayer auf „Perfectly Lonely“ zum Verfechter von einsamen Zeiten: „I’m perfectly lonely/’cause I don’t belong to anyone and nobody belongs to me“.
Auf „Half Of My Heart“ beweist er, wie gut sich durchdachte Lyrics auf einer sehr eingängigen Melodie anhören. Auf dem Chorus ist der U.S. Country Star Taylor Swift zu hören. Erstaunlich gut fügen sich Mayers soulige und Swifts hohe Popstimme zu einem minimalistischen Refrain zusammen. Was danach kommt, wurde bereits kontrovers diskutiert: „Who Says“ ist die erste offizielle Auskopplung und setzt dort an, wo „Continuum“ aufgehört hat. Musikalisch orientiert sich der Folk-Track an „Stop This Train“. Was viele für eine Spaß-Nummer hielten, wurde nun also tatsächlich zur ersten Single. Und das nicht zu unrecht. „Who Says“ tut im Grunde genau das Gegenteil, was man von John Mayer Songs erwarten: Es geht direkt ins Ohr. Dabei ist es nicht nur catchy, sondern auch dank der durchdachten Strophen nachhaltig. Bei Zeilen wie „Who says I can’t get stoned/plan a trip to Japan alone/doesn’t matter if I even go/who says I can’t get stoned“ sollte jedem klarwerden, dass es hier um Freiheit geht und um die Freiheit, diese sich zu nehmen.

Zurück zur Wein-Analogie: Der Höhepunkt stellt sich für den Genießer meist dann ein, wenn die Flasche nur noch halb voll ist. Mit „Assasin“ liegt auch bei „Battle Studies“ das beste musikalische Aroma in der Mitte. Eingeleitet von Tönen der afrikanischen Kalimba, steigert sich das Tempo der Drums langsam und wirkt zusammen mit dem wabernden Gitarrensound fast hypnotisierend. Inhaltlich vergleicht Mayer auf seinem wohl bisher ambitioniertesten Stück das Leben eines Auftragskillers mit der Sprunghaftigkeit eines Liebesnarrs. Insgesamt ein cleveres und zugleich sehr düsteres Stück, das bei jedem Durchgang stärker wird.
An diesem Punkt setzt dann auch die Kritik ein. Der fade Beigeschmack von „Battle Studies“ so zu sagen. Natürlich ist es ein Leichtes zu sagen, dem Album fehle die Kantigkeit und der Blues des Vorgängers, zumal es nicht fair ist, einen Künstler an seinem herausragenden Werk zu messen, doch teilweise muss sich Mayer für seinen neuen Longplayer die Kritik gefallen lassen. Stücke wie „All We Ever Do Is Say Goodbye“ oder „Do You Know Me“ glänzen durch eine gute Strophe, verlieren aber in den Refrains den Anschluss zu den besten Tracks des Albums.

Gern wagt sich Mayer auch an Covers großer Titel heran. Bei der Neuinterpretation von Jimi Hendrix „Bold As Love“ gelang ihm ein Volltreffer. Doch den schmalen Grad überschreitet er auf Robert Johnson’s „Crossroads“, das sich durch seine Kürze und die überakzentuierten Gitarren nicht recht ins Gehör einnisten mag. Zumal die Anlehnung an Fleetwood Mac unüberhörbar ist.
Glücklicherweise macht das folgende „War of my life“ die Schmach des gescheiterten Covers wieder wett. Und wie es das tut: Noch nie hat man Mayer so sensibel Gitarre spielen, noch nie gefühlvolle Worte so authentisch singen gehört. Bildlich gesprochen, beschreibt es den Moment, in dem das Weinglas umgestoßen und im freien Fall ist, um später auf dem Fußboden in Einzelteile zu zerbersten. Ein ruhiger und nachdenklicher Moment, der sich nach einem Vakuum anfühlt und nicht lange Bestand hat.

„Friends, Lovers Or Nothing“ bildet einen versöhnlichen Abschluss für „Battle Studies“, das überwiegend von hervorragenden aber nicht herausragenden Musikstücken gekennzeichnet ist. Lediglich drei Stücke auf dem Album können qualitativ an „Continuum“ andocken. Dennoch ist nicht ausgeschlossen, dass das JM-Prinzip nicht auch hier wieder greift, vielleicht eben nicht nach dem 8. Durchlauf, sondern erst nach der 15. Listening-Session. Das macht „Battle Studies“ zu einer gefährlichen LP, die langfristig als eine der meist unterschätzten Alben in die Discografie von John Mayer eingehen könnte. Und es steigert das Verlangen auf das nächste Album immens.
Bewertung:

Album-Snippet:
Weitere Infos zu John Mayer & Battle Studies:
Künstlervorstellung/Vorschau auf „Battle Studies“ auf PASSTHESTYLE.COM
Offizielle Website: http://www.johnmayer.com/
John Mayer in Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/John_Mayer
John Mayer auf MySpace: http://www.myspace.com/johnmayer
John Mayer – Offizielle deutsche Website: http://www.johnmayermusic.de/
John Mayer auf Laut.de: http://www.laut.de/wortlaut/artists/m/mayer_john/index.htm
John Mayer Trio (JMT): http://www.johnmayertrio.com/
Battle Studies Reviews:










yoo. bookmarked thoughts.
Albumreview: John Mayer – Battle Studies: http://passthestyle.com/2009/11/albumreview-john-mayer-battle-studies/
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