19th May 2012

Filmreview: 2012

Posted by Reviewnator on November-18-2009 2 Commented

2012

Es ist schon erstaunlich, wie schnell die Traumfabrik Hollywood Schauspielern und Regisseuren ein bestimmtes Label verpassen kann. Jennifer Aniston steht für Romantik-Komödien, Christian Bale für die Verkörperung des Superhelden. Und Deutschlands Vorzeige-Regisseur Roland Emmerich? Ganz klar: Weltuntergangskino.

Einmal in dieser Schublade gefangen, beginnen einige Regisseure das beste aus ihrem Schicksal zu machen. Im Falle Emmerich gilt das natürlich auch: „Independence Day“, „The Day After Tomorrow“ und „10.000 BC“ sind Werke, die eindeutig Emmerichs Handschrift tragen. Mit seinem neuen Endzeit-Movie „2012“ bedient er ein weiteres Mal das Klischee, legt damit aber die Latte für Bombast-Filme dieser Art ein ganzes Stück höher.

John Cusack und Woody Harrelson in "2012"

Bei „2012“ findet sich der Zuschauer in einem altbekannten Szenario wider: Ein Forscherteam findet in einer indischen Mine erstaunliches heraus: Die Eruptionen der Sonne werden stärker und stärker, was zu einer bedrohlichen Erwärmung des Erdkerns führt. Um die Handlung ein wenig im Schwung zu bringen, droht der Erdkern bereits im Jahre 2012 so heiß zu werden, dass die Erde in kleine Stücke gerissen wird. Parallel lernt man den erfolglosen Romanautor Jackson Curtis (John Cusack) kennen, der sich mit einem Aushilfsjob als Chauffeur finanziell über Wasser hält. Der notorische Versager bricht eines Tages mit seinen Kindern zu einem Ausflug in den Yellowstone Nationalpark auf und lässt sich bei der Erkundung des Geländes auch nicht von Absperrzäumen und verdächtig sprudelnden Seen aufhalten. Dadurch begibt er sich und seine Kinder unfreiwillig in „feindliches Terrain“, denn der Bereich wird bereits von der US-Army überwacht. Curtis wird also samt Kinder hochkant aus dem Sperrgebiet geworfen. Auf dem Rückweg lernt er den völlig durchgeknallten Hippie und Radiomoderator Charlie Frost (Woody Harrelson) kennen, der ihm die bedrohliche Lage der Erde näher bringt.

Chiwetel Ejiofor in "2012"

In Kalifornien hat das Endzeitszenario währenddessen erste Züge angenommen. Aufgeplatzte Bundesstraßen, durch die Luft wirbelnde Autos und umstürzende Hochhäuser zeugen von der bevorstehenden Katastrophe. Curtis sieht bei seiner Rückkunft keinen anderen Ausweg als seine Ex-Frau (Amanda Peet), dessen neuen Lover und die beiden Kinder in eine Limousine zu packen und zum nächsten Flughafen zu rasen. Mit ordentlich Special-Effects versteht sich. Dort angekommen, schafft es die Gruppe gerade noch, dem einstützenden Erdboden mit dem Flieger zu entkommen und in Richtung China zu fliegen, wo die Rettung nah sein soll…

Bei „2012“ bestätigt sich ein weiteres Mal: Roland Emmerich hat eine klare Schwäche beim Schreiben des Drehbuchs und vor allem bei der Ausarbeitung von Dialogen. Natürlich legt der geneigte Zuschauer bei Blockbuster-Katastrophenfilmen dieser Art nur bedingt Wert auf die Handlung. Dennoch sind die Entstehung von Logiklöchern und schauderlichen Dialogen nicht gerade die beste Empfehlung für „2012“. Um also auch echte Cineasten vom Emmerich-Stoff zu überzeugen, sollte sich der gebürtige Stuttgarter vielleicht das nächste Mal („Independence Day 2“, angesetzt für 2012) Hilfe bei einem seiner befreundeten Drehbuchautoren holen – und nicht gerade von Harald Kloser.

2012

Die schwache Handlung bleibt jedoch der einzige richtige Kritikpunkt an „2012“. In Sachen Special Effects setzt Emmerich absolut neue Maßstäbe. Noch nie sahen explodierende Autos, abrutschende Erdberge, ausbrechende Vulkane und überflutete Städte so brillant und atemberaubend aus. Gerade in einem Kino mit digitaler Filmprojektion ist der Film ein visueller Genuss von der ersten bis zur letzten Sekunde.

Obwohl die Hauptdarsteller John Cusack („Zimmer 1408“; „Identität“) und Amanda Peet („So was wie Liebe“; „Akte X – Jenseits der Wahrheit“) zu jedem Zeitpunkt schauspielerisch unterfordert sind, merkt man ihnen das nicht an. Cusack macht als draufgängerischer Buchschreiber dabei die eine gute und glaubwürdige Figur. Schwach dagegen bleibt Danny Glover als US-Präsident mit Herz fürs Volk. Leider meldet sich das Schubladen-Denken hier wieder und erinnert an „Leathal Weapon“ oder „Saw“. Herausragend ist hingegen Chiwetel Ejiofor in der Rolle des Geologen Dr. Adrian Hemsley. Man kauft ihm seine ehrlichen Ambitionen ab, die Welt vor einer Katastrophe mithilfe der Wissenschaft bewahren zu wollen.

Amanda Peet in "2012"

„2012“ löst alle vorher da gewesenen Endzeit-Filme samt Special-Effects ab und macht sich auf dem Action-Thron mit der Aufschrift „2009“ ordentlich breit. Zwar weist der Film altbekannte Schwächen in der Story auf und komprimiert auf 2 Stunden Spielzeit hätte man die ein oder andere sich ziehende Szene von seiner Langeweile befreien können. Dennoch ist „2012“ ein Gang ins nächste Major-Kino wert und garantiert einen unterhaltsamen Abend.

Bewertung:

Bewertung 3 von 5

Filminformationen:

Regie: Roland Emmerich

Drehbuch: Roland Emmerich; Harald Kloser

Schauspieler: John Cusack, Amanda Peet, Chiwetel Ejiofor, Danny Glover

Kinostart: 12.11.2009

Offizielle Website: http://www.2012derfilm.de/index.html

Trailer: Jetzt anschauen!

IMDB-Seite: http://www.imdb.com/title/tt1190080/


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