22nd May 2012

Filmreview: Dil Bole Hadippa!

Posted by Amina Hassan on November-16-2009 one Commented

Di Bole Hadippa

Die indische Filmindustrie ist die größte weltweit. Pro Jahr werden in Mumbai über 1000 Filme produziert. Bei so vielen Produktionen von oftmals namhaften Regisseuren fällt es schwer, den Überblick zu behalten. Ein Film, der den Masala-Mix (eine indische Gewürzmischung; auf Bollywood bezogen: die Mischung aller Genres wie Action, Romantik, Comedy, Drama und Musical) beschreibt, ist „Dil Bole Hadippa“.

Veera Kaur (Rani Mukherjee gibt in diesem Film ihr Comeback) ist eine selbstbewusste, temperamentvolle, attraktive junge Frau aus dem Punjab. Ihre große Leidenschaft ist der indische Nationalsport Cricket. Als das indische Nationalteam vom pakistanischen Team geschlagen wird, lässt Veera nichts unversucht die Ehre “ihres” Teams wieder herzustellen, sie bewirbt sich sogar als Spielerin bei eben dieser Mannschaft. Doch die Betonung liegt auf SpielerIN: in Indien ist es ihr als Frau nicht erlaubt an Cricketturnieren teilzunehmen. “Das ist ein Männersport” lautet die vernichtende Antwort des Türstehers der Veeras Traum zunichte zu machen droht.

Di Bole Hadippa

Zur gleichen Zeit in London: Rohan(Shahid Kapoor) – der Sohn des Leiters der indischen Cricketmannschaft – führt ein Leben in Saus und Braus: er ist gebildet, gutaussehend, wohlhabend und natürlich ein echtes Ass in Cricket. Doch auch er lebt nicht zur Gänze auf der Sonnenseite des Lebens: sein Vater Vikram Singh(Anupam Kher), den er seit Jahren nicht gesehen hat, bittet ihn nach Indien zu kommen. Schweren Herzens lässt Rohan seine Mutter in London zurück und fliegt nach Indien. Dort angekommen und nach einem überschwänglichen (Bollywood-typischen) Empfang rückt sein Vater nach und nach mit der ganzen Wahrheit heraus: Die indische Mannschaft, die seit Jahren nichts als Misserfolge verzeichnet, braucht einen neuen Trainer und da Vikram weiß, dass Rohan ein exzellenter Spieler ist der noch dazu Teamgeist besitzt, bittet der Vater Rohan die indische Nationalmannschaft zu trainieren. Nach einem Gefühlsausbruch Rohans in dem er seinem Vater vorwirft nie für ihn da gewesen zu sein und ihn nicht mal richtig zu kennen, willigt Rohan angesichts der Traurigkeit in den Augen des Vaters ein: er wird der indischen Nationalmannschaft zum Sieg verhelfen, koste es was es wolle.

Nun wieder zurück zu Veera: wenn sie nicht gerade den Schläger schwingt, arbeitet sie in einem kleinen Wandertheater. Als eines Tages der männliche Protagonist erkrankt, springt Veera kurzer Hand für ihn ein. Die Vorstellung ist ein voller Erfolg und Veera kommt – hoch zufrieden mit sich und ihrer Leistung – in der Umkleide zu der Erkenntnis: warum sollte sie sich denn nicht einfach als Mann verkleiden und ihr Glück in der Nationalmannschaft versuchen?

Di Bole Hadippa

Gesagt, getan. Und einige Tage später sieht man einen kleinwüchsigen, jungen Sikh zum Cricketplatz wandern. Es ist Veera und nichts und niemand wird sie auf ihrem Weg zum ersten Platz aufhalten. Doch sie hat nicht mit Rohan gerechnet, der gar nicht damit einverstanden ist und so mir nichts dir nichts einen lauten, nervigen und besserwisserischen kleine Sikhjungen in die Nationalmannschaft lässt. Nachdem sie zu guter letzt beweisen kann, dass “Veer Pratap Singh” (so ihr Pseudonym und eine Anspielung an Shah Rukh Khans Rolle in VEER-ZAARA)doch mehr kann als anfangs erwartet, beginnt die anstrengendste aber auch schönste Zeit in Veeras bisherigem Leben. Doch auch die Liebe kommt nicht zu kurz. Rohan, der Veera für Veers Schwester hält, beginnt – nach einigen lautstarken Auseinandersetzungen – Veera mit anderen Augen zu sehen und auch Veera ist dem gutaussehenden Mannschaftskapitän mehr als wohlgesonnen. So entspinnt sich eine zarte Liebesgeschichte die durch viel Gelächter und kleine Gesten lebt.

Di Bole Hadippa

Doch wo Licht ist, da ist auch Schatten. Für Veera wird es immer schwieriger ihre geheime Identität zu wahren und am Tag des Spiels kommt schließlich auch Roha, dem die ganze Sache schon länger verdächtig vorkommt, hinter ihr Geheimnis. Rohan, der Veera aufrichtig liebt, ist zutiefst verletzt und sieht Veeras Tat gleichzeitig als Vertrauensbruch in ihrer Beziehung, als auch an die Mannschaft. Schließlich verlässt er aufgebracht die Umkleideräume und lässt Veera mit schlimmen Gewissensbissen zurück. Das Spiel beginnt, doch bald wird klar dass die Mannschaft ohne Veera keine Chance auf den Sieg hat. Als die Situation schon ausweglos erscheint, sucht Vikram Singh Veera auf. Auch er hat ihr Spiel durchschaut und bittet sie inständig, dem indischen Team zum Sieg zu verhelfen. In letzter Minute kann Veera helfend einschreiten und den Sieg herbei führen.

Di Bole Hadippa

Als der Pokal überreicht werden soll, führt Raj, der Veera mittlerweile verziehen hat, die verängstigte Veera nach vorne ans Podest. Sie soll nun allen zeigen wer unter dem Turban steckt.
Zunächst sind die Zuschauer bestürzt: eine Frau soll der indischen Nationalmannschaft zum Sieg verholfen haben? Von Betrug und Respektlosigkeit ist die Rede; schon will man das Spiel als ungültig werten. Doch die aufwühlende und emotionale Ansprache Veeras glättet die Wogen. Eine Frau hat doch genau das gleiche Recht auf Ehre und Respekt, eine Frau ist genau so viel wert wie ein Mann. Gegen die Vorurteile, die die indische Gesellschaft auch heute noch prägen ist Veeras beeindruckende und bewegende Rede gerichtet. Beifall brandet auf, Veera hat bewiesen, dass Frauen dass Zeug haben für ihr Land zu kämpfen und zu siegen und die indische Nation und Rohan feiert mit ihr.

2009 war ein aufregendes Jahr für Fans des indischen Kinos: Rani Mukherjee, die Frau mit der rauchigen Stimme, die ungekrönte Queen of Bollywood, gab in “Dil Bole Hadippa” ihr Comeback. Sie ist stahlendend schön und witzig wie nie. Zur Seite steht ihr der zwar um einige Jahre jüngere, aber nicht minder talentierte Shahid Kapoor. Der Plot ist eine Adaption von Shakespeares Verwechslungskomödie “Was ihr wollt”. Der Film thematisiert das Recht der Frauen in Indien und rechnet mit alten Vorurteilen ab. Die Heroine in indischen Filmen war lange Zeit nur Zierwerk, sie sollte den Helden anschmachten und für das amouröse Flair sorgen, doch seit einigen Jahren wird der indische Film mit emanzipierten, selbstbewussten Frauen – die ihren eigenen Kopf haben und diesen auch einzusetzen wissen – konfrontiert. In „Dil Bole Hadippa“ ist dies genau der Fall. Veera ist charmant aber sie hat – in einem von Männern dominierten System – trotzdem ihre eigenen Ziele und Vorstellungen, die sie zu jeder Zeit vertritt.

Di Bole Hadippa

„Dil Bole Hadippa“ ist ein Film über Frauen. Obwohl von indischen Kritikern zum Scheitern verurteilt, macht er Frauen Mut hinter ihren Entscheidungen zu stehen und selbstständig zu denken. Doch dieses schwierige Thema wird von Regisseur Anurag Singh mit so viel Schwung, Elan, farbeprächtigen Songs und Witz versehen, dass keine Minute Schwermut entsteht und es dennoch nachdenklich macht. Wer Bollywood mit anderen Augen sehen will und sich für das Thema Emanzipation interessiert, sollte sich „Dil Bole Hadippa“ nicht entgehen lassen.

Bewertung:

Bewertung 4 von 5

Filminformationen:

Genre: Bollywood-Komödie
Regie: Anurag Singh
Schauspieler: Shahid Kapur, Rani Mukherjee, Anupam Kher, Dalip Tahil
Offizielle Website: http://www.yashrajfilms.com/microsites/dbh/dbhwebsite.html
Trailer: Jetzt anschauen!
IMDB-Seite: http://www.imdb.com/title/tt1202540/


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