19th May 2012

Filmreview: Michael Jacksons “This Is It”

Posted by Jeannine Thiele on November-21-2009 one Commented

Michael Jackson - This is it

Das Jahr 2009 sollte sein Jahr werden. Sein persönliches Comeback. Er wollte es allen zeigen. All denen, die ihn über die letzten Jahre verspottet, verurteilt und abgeschrieben hatten. Ein letztes Mal noch wollte er für seine treuen Fans auftreten und eine 50-Tage Konzertserie vom allerfeinsten präsentieren. Ein Konzert, das durch alte und neue Songs glänzt und mit Special Effects, Illusionen und tänzerischen Darbietungen nur so brilliert. “This is it” verkündete er in London vor laufenden Kameras. “This is it” sollte einige Wochen später allerdings eine ganz andere Bedeutung haben…

Als Michael Jackson am 25. Juni 2009 verstarb war es für viele Menschen, ob Fans oder nicht, ein unsagbarer Schock. Der Mann, die Legende, der Ausnahmekünstler – er war tot. Und während in den Medien die Gerüchteküche nur so mit Facts & Fiction hinsichtlich der Todesursache brodelte und youtube mit Tribut-Tänzen bombardiert wurde, saß Kenny Ortega, Regisseur und langjähriger Freund von Michael Jackson, während dessen an einem Film mit dem Arbeitstitel “the last sacred footage of a real master at his craft.”. Ein Zusammenschnitt von 6 Wochen Backstagematerial, Proben und Interviews über die Vorbereitung der ausverkauften London Tour. Ein letzter Blick auf den King of Pop mit all seinen Talenten, die ihn zum König der Bühne machten und welches gleichzeitig auch seine letzten Tage waren.

Michael Jackson in "This is it"

“This is it” zeigt allerdings nicht, wie von vielen vorher angenommen, einen labil wirkenden, mit Drogen vollgepumpten Michael Jackson, der keinen Schritt vor den anderen setzen kann. Auch ist der Film keine Hommage an das Lebenswerk des Künstlers oder eine Dokumentation über den kleinen süßen Jungen aus Indiana, wie er von Armut zu Reichtum kam. Kenny Ortega zollt mit diesem Film eher Tribut. Er konzentriert die 111 Minuten Laufzeit wirklich nur auf dieses eine 6-Wochen Fenster vor Jacksons Tod. Und die Welt sieht ihn so, wie sie ihn in Erinnerung behalten sollte: als den größten Entertainer der Welt. Jemand, der nicht wie viele andere seiner Kollegen nur mal kurz auf die Bühne geht und ein bisschen hin und her tanzt und sich dann wieder primadonnenhaft in die Limousine verdrückt. Nein. Was wir sehen ist das scheinbar absolute Komplettpaket „Michael Jackson“. Ein Mann, der die volle Kontrolle über jedes Detail seiner Konzerte hatte. Angefangen von der Choreografie, über das Produktionsdesign, Beleuchtung bis hin zu den Konzepten. Was auch immer von Fans wahrzunehmen wäre, Jackson hat es so initiiert. Wir bekommen fern ab von allen negativen Medienberichten einen Einblick in seine Person selbst und sehen Jackson über Lichteinstellungen diskutieren, seinen halb so alten Tänzern genaue und komplizierten Schritte beibringen und dem Musikdirektor spezifische Rhythmusanweisungen geben. All das natürlich auch inklusive seiner kleinen, ganz persönlichen Macken und Eigenarten. Und es ist für jeden Fan oder auch nur Neugierigen erstaunlich, wie sehr er entgegen aller Meldungen doch voller Leben zu diesem Zeitpunkt steckte. Wie viel Motivation und Vorfreude er zeigte.

Michael Jackson in "This is it"

Ortega hat es aber vor allem fertig gebracht, uns mit all diesen Einstellungen eine Art Konzertgefühl zu vermitteln. Sogar eine Art Trauer über das, was hätte sein können und nun leider nicht stattfindet. Anhand der Proben, wobei das Publikum lediglich aus ihn verehrenden und erstaunten Bühnenmitarbeitern und Technikern besteht, hätte jedes Konzert eine fantastische Reise in eine andere Welt werden können. Die Special Effects, ob nun Szenen mit Rita Hayworth oder Humphrey Bogart, waren so detailliert und einzigartig vorbereitet, dass man hätte denken können in einem Video zu stecken. Einem kommt ein “ach schade das ich das nicht erleben konnte” in den Sinn und man würde sich im Nachhinein nicht überlegen wie viel Geld ein Ticket gekostet hätte. Jackson korrigiert, erfindet, ändert und überdenkt die Produktion immer wieder. Alles für die Fans, denkt man sich. Er will ihnen die beste Show aller Zeiten geben. Immer wieder einen Schritt voraus sein. So wie schon so oft zuvor. Er zeigt sich als den treibenden Keil der Produktion. Und es ist erfrischend diese Seite an ihm wiederzuentdecken. Nicht nur negatives über oder von ihm zu sehen, sondern den Mann zu erleben wie er wirklich war. Ein Entertainer dem man trotz aller Skandale wirklichen Respekt zollen sollte.

Nichtsdestotrotz bekommt man aber auch nach den ersten Minuten das Gefühl, dass dem Film der gewisse Schliff fehlt. Es ist und bleibt eben wirklich nur ein Zusammenschnitt von Backstageszenen und kein Film wie sich jeder erhoffte. Daran Schuld hat wahrscheinlich nicht mal Ortega selbst, sondern eher Sony, die aufgrund der Geldmache noch schnell ein wenig auf die Uhr zeigten. Ganz im Sinne von – makaber gesagt – solange der Körper noch warm ist…

Michael Jackson in "This is it"

Es gibt keinen roten Faden, der sich durch die Laufzeit schlängelt sondern eher Probe über Probe mit dem Gedanken an den immer näher rückenden Konzertauftakt. Allerdings sind sowohl die Bild- als auch die Tonaufnahmen von hervorragender Qualität. Aber es gibt kein großes Finale. Kein emotionales Highlight. Ob es Absicht war? Keine Ahnung. Es gibt dafür – je nach Fanstatus – bestimmt positive und auch negative Seiten. Bis auf ein paar Einstellungen der trauernden Tänzer, die Michael Jackson loben und uns erzählen wie fantastisch es sei für ihr Idol da zu sein, gibt es keine wirklichen Tränendrüsen-Effekte.

Michael Jackson

Letztendlich aber kann man sagen: ob Fan oder nicht, mit diesem Portrait wird man an den Künstler Michael Jackson erinnert. Und das mit all seinen Facetten. Der Rekord brechende Musiker, der brillante Tänzer, das choreographische Genie. Man lernt seine Arbeit wieder zu schätzen und man kann deutlich erkennen, wie sehr er in seiner Rolle aufging. Wer Anzeichen für übermäßigen Drogenkonsum sucht, der wird sie nicht finden. Wer denkt, Hinweise auf sein kommendes Ableben zu finden, wird enttäuscht. Michael Jackson präsentiert sich als agiler 50-Jähriger, mit Ideen und Motivation. Ein Mann, der sich vornahm die beste Show seines Lebens zu geben. Der an seinen Erfolg mit 750 Millionen verkauften Platten weltweit, 13 Nummer Eins Singles und einer doppelten Mitgliedschaft in der Rock n Roll Hall of Fame anschließen wollte. Ob nun aus finanzieller Not oder Spaß an der Freude sei dahingestellt. Man kann urteilen über sein Privatleben wie man will, aber über den Künstler Michael Jackson gibt es nichts Negatives zu berichten. Und genau das wird einem mit “This is it” nähergebracht.

Sein Herz mag aufgehört haben zu schlagen, doch seine Musik lebt für immer weiter.


Bewertung:

Bewertung 4 von 5


Filminformation:

Regie: Kenny Ortega
Offizielle Webseite: http://www.thisisit-movie.com/
Trailer: Jetzt anschauen!
IMDB-Seite: http://www.imdb.com/title/tt1477715/


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