Renee Zellweger, so muss ich zugeben, hat mir in „Bridget Jones“ immer ein Schmunzeln auf die Lippen gezaubert. Ihre leicht trottelige und doch liebenswürdige Charakterdarstellung der molligen Bridget sehe ich mir immer wieder gern an. Vor allem zur Weihnachtszeit. Doch solche perfekt zugeschnittenen Rollen mit internationalem Erfolg scheinen auch für A-List-Stars wie Zellweger spärlich gesät zu sein.
“New in Town” ist ein gutes Beispiel für Filme, die keinerlei Einfluss auf die Weltgeschichte haben. Weder künstlerisch wertvoll, noch lehrreich oder aufrüttelnd. Stattdessen ist er ein gutes Beispiel dafür, dass auch renommierte Schauspieler und Oscar Gewinner nicht unbedingt eine Garantie für Erfolg sind.

Zellweger spielt Lucy, eine karriereorientierte Frau aus Miami, mit einem geregelten und sehr vielversprechenden Leben voller Designermöbel und Glamour. Von ihrem Boss eines Tages mit dem Auftrag der vorläufigen Geschäftsübernahme in die verschneite und eisige Minnesota-Einöde nach New Ulm geschickt, soll sie in der lokalen Joghurt-Fabrik nach und nach die Angestellten entlassen und die Firma schließen. Unter ihnen: Ted (Harry Connick Jr.). Der Mann der Gewerkschaft, mit dem sie von ihrer nun neuen Assistentin (Siobhan Fallon Hogan) am ersten Abend schon verkuppelt werden soll und dem die Absichten der Miami Geschäftsleitung nun gar nicht gefallen. Und Ted mag noch nicht einmal Lucy. Anfänglich natürlich nur, denn wir wissen ja schon von vornherein wie der Film endet.
“New in Town” basiert auf einem der ältesten Konzepte der Filmgeschichte: Frau trifft Mann, Frau hasst Mann, Frau passt nicht zu Mann, Frau lernt Mann besser kennen, Frau verliebt sich in Mann, Mann verliebt sich in Frau, Frau macht etwas ganz besonderes für Mann, Frau läuft weg, Frau kommt zurück, Friede Freude Eierkuchen. Voila. Auch wenn vor 50 Jahren noch die Rollen vertauscht waren und es eher hieß ‘Mann trifft Frau’, so bleibt der Grundsatz trotzdem gleich. Und wie wir wissen, haben die ganz großen Schnulzen ja auch immer guten bis sehr guten Erfolg gehabt. Das Problem hierbei ist – es ist keine große Schnulze. Es ist noch nicht einmal ein ‘Schlaflos in Seattle’, ‘Notting Hill’ oder auch nur ‘Email für dich’. “New in Town” ist so durchschnittlich wie es nur geht und eignet sich eigentlich nur für den langweiligen TV-Abend. Für Zeiten, in denen man einfach nicht weiß was man sonst besseres machen soll.

Wie man bereits erraten kann, ist das Wetter in Minnesota im Winter furchterregend. Überall liegt meterhoher Schnee, der Wind weht einem nur so um die Nase und manchmal kann man zugefrorene Straßen nicht von Seen unterscheiden. Genau das richtige also für eine von Sonne und Pfennigabsätzen verwöhnte Großstadt-Frau. Und genau mit dieser Grundeinstellung fängt der Film dann auch an. Lucy, die intelligente Führungskraft, welche immer und überall auf alles vorbereitet ist, kommt im kleinen Kostüm mit High Heels nach Minnesota. Dazu sage ich jetzt mal nichts. Aber die guten Einwohner von New Ulm, eingeschlossen dem verwitweten Ted und seiner 13-jährigen Tochter, lassen sich nicht von ihrem doppelzüngigen Geschäftsdialog einschüchtern. Sie erweichen stattdessen ihr Herz mit Tapioca Pudding, Selbstgebackenem und handgemachten Valentinsgeschenken. Besonders Blanche, ihre Assistentin, gibt sich viel Mühe, Lucys emotionale Kälte zu ignorieren und ihr die Herzlichkeit Minnesotas nahezulegen. Ted allerdings nicht. Immer wieder von Lucy aufs äußerste beleidigt, rettet er sie dann aber aus ihrem Unfallauto im nächtlichen und weißen Nirgendwo. Und plötzlich kommt man sich natürlich näher. Unternimmt sogar zusammen etwas in der Freizeit. Krähenschießen zum Beispiel! Und genau dabei trifft sie ihm aus Versehen in den Hintern. Am nächsten Morgen erscheinen dann alle Mitarbeiter der Fabrik mit Zielscheiben auf ihrem besten Stück… Mehr als ein leichtes schmunzeln an dieser Stelle wird es aber nicht geben.

Hört sich alles nach einem kläglichen Versuch einer romantischen Komödie an, nicht wahr. Und genau das ist es auch. Vor allem, weil Zellweger so verständnisvoll lustlos spielt. Man nimmt ihr einfach nicht die hartgesottene und zielorientierte Karrierefrau ab! Das Klicken der Pumps ist keine Garantie für Macht. Und ich frage mich immer wieder warum Schauspieler wie sie solche Rollen annehmen. Für eine Frau, die mal als nächste Shirley MacLaine betitelt wurde, stünden ihr doch andere Angebote ins Haus. Hat sie es wirklich so nötig gehabt Geld zu verdienen? Hat sie etwas anderes erwartet? Gab es Unstimmigkeiten zwischen Drehbuch und Regie?
Connick Jr. ist nicht annähernd so peinlich. Obwohl das wohl eher daran liegt, dass er mehr oder weniger für Musik statt Filme bekannt ist und er immer und immer wieder den typischen Liebhaber vom Land zum Besten gibt. Und das macht er anständig, keine Frage. Schließlich versprüht er geradezu den Charme eines männlichen Machos, der mit dreckigen Stiefeln seine Frau über die Schwelle der Holzhütte trägt. Ich würde ihm auch nicht den Anzug tragenden harten Chef in der Großstadt abnehmen. Halt dich dran Harry!
“New in Town” ist wie gesagt ein Film, den der Zuschauer sich eher zu Hause als im Kino ansehen sollte und der mit bisher knapp 17 Mio USD an Einspielung in 11 Monaten wohl auch in Deutschland nicht mehr Erfolg haben wird. Da Frau Zellweger aber bei weitem keine schlechte Schauspielerin ist, warten wir vielleicht einfach mal auf den nächsten Teil der kassenklingelnden „Bridget“-Serie in 2011 und verbuchen diesen Film als Ausrutscher. Ich mag sie sowieso eher molliger als spindeldünn…
Bewertung:

Filminformationen:
Genre: Romantik-Komödie
Kinostart: 26.11.2009
Regie: Jonas Elmer
Drehbuch: Ken Rance, C. Jay Cox
Schauspieler: Renée Zellweger, Harry Connick Jr., Siobhan Fallon, J.K. Simmons
Offizielle Website: http://www.newintown.senator.de/
Trailer: Jetzt anschauen!











Filmreview zu "New In Town" mit Renée Zellweger: http://passthestyle.com/2009/11/filmreview-new-in-town/