Es gibt eine Handvoll amerikanische Serien, die sind nicht tot zu kriegen. Dazu gehört z.B. die große Schwester aller Comedy-Serien „Seinfeld“ genauso wie der Action-Dauerburner „24“ . Auffällig häufig erleben jedoch Shows aus dem Comedy-Genre ihren 2. Und 3. Frühling und schaffen es nicht selten über die magische Grenze von 5 Staffeln.
Woher kommt diese Kontinuität und der Segen, überdurchschnittlich gute Einschaltquoten zu generieren? An kaum einem Beispiel könnte man besser eine Antwort auf diese Frage geben als am minimalistischen „Two and a half men“.
Die so genannte Sitcom über den Frauenhelden und neurotischen Lebemann Charlie (Charlie Sheen) und seinen unfreiwillig geschiedenen Bruder Alen (Jon Cryer), der gleichzeitig Vater des „halben Mannes“ Jake (Angus T. Jones) ist, hält sich seit der amerikanischen Erstausstrahlung im Jahre 2002 hartnäckig auf recht passablen Sendeplätzen. Nach mittlerweile mehr als 140 Episoden und 7 Staffeln ist noch immer kein Ende in Sicht und das vollkommen zurecht.

Wie so oft bei Sitcoms, gibt es quasi keine nennenswerte Handlung. Man wird zu Beginn der ersten Staffel direkt mit dem Fakt konfrontiert, dass sich Charlies Bruder Alen bei ihm im wunderschönen Strandappartement in Malibu-Beach einnisten will, da ihn seine Frau nicht nur aus den eigenen vier Wänden geworfen hat, sondern auch gleich die Ehe ein für alle Male beenden will. Dem sprunghaften Charlie kommt das nicht gerade gelegen. Er genießt sein Leben als Frauenheld und hält sich mit kurzen Affären und dem Schreiben von Werbe-Jingels ganz gut über Wasser. In den kommenden sieben Staffeln geht es daher eigentlich nur um eins: Das Aufeinanderprallen von zwei völlig unterschiedlichen Lebensstilen, die nur aufgrund des kleinen Jakes nicht in einem Massaker enden. Nebendarsteller wie Charlies und Alans Mutter Evelyn (Holland Taylor), die stets patzige und unangenehm direkte Haushältern Berta (Conchata Ferrell) und Charlies persönliche Stalkerin Rose (Melanie Lynskey), setzen vereinzelt erfrischende Akzente und fügen sich als zusätzliche Störenfriede perfekt in das Konzept ein.

Schnell stellt sich heraus: „Two and a half men“ hat dieses Homecoming-Gefühl. Jeder kennt das: Man hat einen harten Arbeitstag hinter sich, kommt nach Hause und das erste an was man sich fragt ist, wie man den Tag ausklingen lässt. Ein Großteil des Abends steht zur freien Gestaltung, doch im Hinterkopf hat sich die Sendezeit der Lieblingsserien fest eingeprägt und nicht selten richtet man die Abendplanung auf diese 30-45 Minuten aus. Diese Serien sind fester Bestandteil einer Woche und geben Halt im sonst so wirren Alltag. Manch einer kann nicht ohne die 1-stündige Portion „Simpsons“ am Vorabend auskommen, Andere planen nur ein kleines Zeitfenster pro Woche für die Serien-Entspannungstherapie ein.
„Two and a half men“ gehört in Deutschland für Viele bereits zur Dienstag Abend Therapie, denn dort läuft die Sitcom wöchentlich mit 2 Folgen von 21:15 bis 22:15 Uhr auf Pro7. Ein wahrer Glücksfall, denn zwischen Reality-Soaps und Casting-Shows bleibt heute nicht mehr viel Raum für echte, traditionelle Comedy. Dabei balanciert die Serie mit seiner minimalistischen Art und dem lakonischen Humor auf einem Drahtseil hoch oben und schafft es souverän, den schmalen Grad zwischen Platitude und spontaner Leichtigkeit zu bedienen.

Als Halt gebender, roter Faden zieht sich die stetige Weiterentwicklung der drei Hauptcharaktere durch die sieben Staffeln. Beispielsweise ist es schön zu sehen, wie die Schauspieler über die Jahre altern und die Serie es immer wieder schafft, sich auf die neuen Umstände flexibel einzustellen. Am deutlichsten sieht man das an Jake. Das 8-jährige Kind der 1. Staffel durchläuft nicht nur äußerlich einen bemerkenswerten Entwicklungsprozess. Er kommt, als wäre es Gang und Gäbe in einer Serie, in die High School Zeit, macht erste Erfahrungen mit Mädchen und holt sich bei seinem coolen Onkel Charlie (manchmal) wertvolle Tipps, kommt in die Pubertät und wird in der aktuellen, 7. Staffel zu einem typisch amerikanischen Teenager mit wenig Drang zum Fleiß aber dafür umso mehr Leidenschaft zum Essen und zur Faulheit.
Das ist wohl auch das größte Erfolgsgeheimnis von Serien wie „Two and a half men“. Sie machen keinen Hehl daraus, dass sich die Welt verändert, auch wenn die TV-Landschaft sonst eher aus gelifteten, auf Hochglanz getrimmten Modern-TV-Shows besteht, bei denen einen auch nach der 4. Staffel das Gefühl beschleicht, in den Verträgen der Darsteller seien Klauseln enthalten die das Altern verbieten. Und die intelligente Weiterentwicklung der Story.

„Two and a half men“ gehört zu den wenigen Ausnahmen, die sich nie den Konventionen unterworfen haben. Sympathische Schauspieler mit Bodenhaftung und ein brillantes Produktionsteam rund um Chuck Lorre („Dharma & Greg“, „The Big Bang Theory“) ermöglichten die Verlängerung des Kontraktes mit CBS um weitere 3 Staffeln. Bleibt nur zu hoffen, dass die Sitcom in Deutschland nicht vom Reality-TV-Zug überrollt wird.
Weitere Infos zu „Two and a half men“:
IMDB-Seite: http://www.imdb.com/title/tt0369179/
Offizielle Homepage: http://www.cbs.com/primetime/two_and_a_half_men/
Wikipedia Eintrag: http://de.wikipedia.org/wiki/Two_and_a_Half_Men
Pro7-Serienseite: http://www.prosieben.de/tv/two-and-a-half-men











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