„Sieht aus wie ein Sargdeckel, könnte aber auch ein Sprungbrett sein“, analysiert Bernd Stromberg messerscharf in einer der ersten Folgen der aktuellen 4. Staffel. Bezogen auf die Büro-Sitcom selbst, lässt sich eindeutig konstatieren: „Stromberg“ ist nicht nur ein Sprungbrett, es ist der Zehn-Meter-Turm.
Während der TV-Serien Wahnsinn in Deutschland mit der x-ten Staffel von Big Brother, neuen Durchläufen von Germany’s Next Topmodel“ oder „Popstars“ immer unangenehmere Fratzen annimmt, schafft es Pro7 zumindest Dienstagabends, ein ansprechendes Serien-Programm zu liefern. Das fängt mit einer Doppelfolge „Simpsons“ an, geht mit der sympathischen Comedy-Sitcom „Two and a half men“ weiter und findet um 22:15 seinen Abschluss mit zwei Episoden der Büro-Satire „Stromberg“.

Dass man aus dem täglichen Bürowahnsinn eine hervorragende Serie machen kann, haben als erstes die Amerikaner erkannt. Dort heißt das Format „The Office“ und funktioniert ähnlich wie „Stromberg“. Letzterer ist nämlich der Inbegriff eines RIALOS – eines Riesenarschlochs. „Nix können aber einfach mal labern“ heißt die Devise des (ehemals) stellvertretenden Abteilungsleiters der Schadensregulierung in der fiktiven Capitol Versicherung. Dabei ist es geradezu sinnbildlich, dass Bernd Stromberg eben dieses Amt inne hat, denn sein eigentliches Talent liegt nicht in der Regulierung, sondern in der Schadensverursachung. Im eigenen Büro trampelt er stets auf den Nerven und Gefühlen seiner Mitarbeiter rum. Nach oben ist er Mr. Niceguy. Und fachliche Kompetenz stahlt er keine aus. Ein typischer Chef eben.
Und dennoch liebt man Bernd Stromberg. Für die Art, wie er seine eigenen Unzulänglichkeiten mit einem kurzen Lachen, das sich mehr wie ein Grunzen eines Mastschweins anhört, wegwischen kann. Für die ewig positive Einstellung zur Arbeit und zur Liebe, die ihm in der aktuellen Staffel richtig zum Verhängnis wird. Für die schauspielerische Leistung eines Christoph Maria Herbst, der den unfähigen Vorgesetzten so gut verkörpert, dass er sämtliche deutschen Fernsehpreise verdient hätte.

Doch alleine mit dem Stromberg-Charakter würde die Sitcom nicht funktionieren. Zwar nimmt er eine sehr dominante Position ein, doch erst seine Gesprächspartner machen aus der Serie ein gelungenes Konzept. Bernd Heisterkamp, besser bekannt unter seinem Spitznamen „Ernie“ zum Beispiel. Gerade in der neuen Staffel spielt Bjarne Mädel den ewig trauernden, sensiblen Einzelgänger mit einer solchen Glaubwürdigkeit, dass man manchmal verleitet wird zu denken, Mädel wäre abseits der Kamera der gleiche Mensch.
Recht befremdlich ist es, dass Pro7 die Serie erst jetzt in der aktuellen Staffel ausstrahlt. Die offizielle DVD der 4. Staffel ist nämlich schon längst releast. Im Umkehrschluss heißt das: Der Sender nimmt sich selbst die Zuschauer weg, denn die 4. Staffel ging auf DVD weg wie heiße Semmel. Wer sie also bereits im Regal stehen hat, wird sich sicherlich nicht zu solch später Stunde die Doppelfolge im TV anschauen.

Bleibt zu hoffen, dass „Strombergs“ Tage nicht bereits gezählt sind. Insgesamt 10 Episoden umfasst die aktuelle Staffel und diese Woche ist Halbzeit. Zwar geht im Internet das Gerücht um, eine 5. Staffel würde gerade in Köln gedreht, doch final hat dies noch niemand bestätigt. Genießen wir also die letzten Stunden mit Bernd Stromberg und Co. und hoffen, dass uns im realen Leben niemals ein vergleichbarer Chef über den Weg laufen wird.
Informationen zur Serie:
Offizielle Stromberg Seite von Pro7: http://www.prosieben.de/tv/stromberg/
Wikipedia-Seite: http://de.wikipedia.org/wiki/Stromberg_(Fernsehserie)
Stromberg Fanclub: http://www.stromberg-fanclub.de/
Stromberg auf Serienjunkies.de: http://www.serienjunkies.de/stromberg/











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