Wer erinnert sich wohl nicht an eine so oder ähnlich ablaufende Szene aus diversen Action-Schinken der 80er: Nach unzähligen Mühen und vielleicht noch Verlust des Partners oder besten Freundes sowie unzähligen in seinen Armen gestorbenen Mitwissern konnte unser Held endlich den Schurken identifizieren, welcher aus geheimnisvollen Gründen Leute am Fließband ermorden ließ.
Nun ist es dem strahlenden Einzelkämpfer gelungen, den Finsterling in seiner mit allerlei Technik vollgestopften Trutzburg zu stellen, natürlich allein. Weil der Bösewicht aber über ungefähr 7319 getreue Schergen verfügt, hängt unser Protagonist gerade gefesselt über einem Haifischbecken, an einer tickenden Bombe, mit dem Kopf nach unten in einer Schlangengrube oder ähnliches. Der größenwahnsinnige Unhold drückt jedoch nicht etwa ganz simpel einen Hebel, um seinen Verfolger endlich aus dem Weg zu räumen, nein, er nimmt sich in aller Gemütsruhe Zeit, diesem die gerade aktuellen Pläne zur Vernichtung der Welt/Ermordung des Präsidenten/Auslöschung des Staates oder sonstwas haarklein zu erklären. Und zwar so lange, bis es dem Helden gelingt, sich von seinen Fesseln zu befreien und kurzen Prozess zu machen.

Ja, das war doof, völlig überflüssig, erheiternd und trotzdem so herrlich naiv, dass man es direkt schon als charmant bezeichnen konnte. Natürlich interessierte es den Zuschauer kein Stück, was der Schuft nun im Einzelnen zu verbrechen gedachte, dennoch fühlte man sich gut unterhalten und kein bisschen für dumm verkauft. Ganz anders ein aktueller Trend, welcher aus Tinseltown auch in die Produktionen anderer Länder schwappt, nämlich die ernsthafte Erklärungswut. Es ist doch so: Hollywoodfilme gehen seit jeher meist auf Nummer sicher, nehmen das Publikum an die Hand und legen dar, was es nicht darzulegen gibt. Jedes Gefühl muss auch noch verbalisiert, jeder Zusammenhang dem dummen Volk en detail nahe gebracht, jede über „1+1=2“ hinausgehende filmische Gleichung an übergroßen Tafeln mit gehobenem Zeigefinger durchgerechnet werden. Das nervt. Ist man als Mainstream-Zuschauer wirklich dermaßen minderbemittelt? Wohl eher nicht.

Bislang verweigerten Filmemacher außerhalb Amerikas tatsächlich weitgehend diesen aufdringlichen Hang zum Oberlehrerhaften. Doch scheint man seit einiger Zeit auch USA-fern den ErklärBären auspacken zu wollen, wie (nicht nur) zwei jüngst im Kino gestartete Werke zeigen. Da wäre zunächst mal „Die Welt Ist Groß Und Rettung Lauert Überall“ nach dem gleichnamigen Roman. Eine Arthaus-Produktion, gemacht für ein lesendes Publikum, welchem man schon einige Intelligenz unterstellen könnte und sollte. Sie widmet sich dem Leben einer Familie und arbeitet – Schock! – zu diesem Zweck gern mit Rückblenden. Nun kann man Otto Normalzuschauer ja keinesfalls zumuten, aus jüngeren Darstellern, anderen Locations oder einfach nur der Handlung zu entnehmen, dass wir manchmal zurück in der Zeit reisen. Welchen Kunstgriff wendet der Streifen also an, um die Sprünge zu verdeutlichen? Korrekt: Die Vergangenheit wird kurzerhand anders eingefärbt, das merkt dann sogar Lieschen Müller, wenn sie mal wieder in ihrem Popcorn-Eimer kramt. Gute Güte!

Ein cleverer Schachzug, den ebenfalls die Bestseller-Adaption „Tannöd“ auszeichnet. Hier erinnern sich allerlei Dorfbewohner an einen Sechsfachmord, und um das blöde Publikum bloß nicht im Regen stehen zu lassen (schließlich kann man aus dem Umstand, dass die Getöteten in bestimmten Szenen plötzlich wieder lebendig sind, mitnichten ableiten, hier Zurückliegendes zu sehen), erstrahlen sämtliche Flashbacks in auffälligem Blau. Danke! Dessen aber noch nicht genug, muss ja außerdem klar werden, wie bigott und zerrüttet dieses Dorf ist, welche finsteren Geheimnisse unter der gottesfürchtigen Fassade schlummern. Wie könnte man so etwas nun auf wirklich ganz narrensichere Weise lösen? Richtig: Man spricht aus dem Off permanent Gebete ein und zeigt dann gleich hinterher eine schöne Mord-, Vergewaltigungs- oder sonstig fiese Szene! Aber halt, das reicht nicht, Herr Meier in Reihe 7 könnte es immer noch missverstehen. Was also tun? Ja: Wir blenden in regelmäßigen Abständen Marienstatuen am Wegesrand, Christusfiguren in Wohnzimmern und ähnliche Späße ein, möglichst in Nahaufnahme und viel zu lange. Jetzt sollte es tatsächlich sogar Herr Meier auf die Reihe kriegen!

Bitte, liebe Regisseure: Natürlich muss sich manches PISA-Studien-Ergebnis irgendwie begründen lassen, aber vollkommen verblödet sind wir Zuschauer deswegen noch lange nicht. Sondern vielmehr richtig sauer, wenn man uns für dumm verkaufen möchte. Oder?
Der Tino











Genau die selben Gedanken habe ich auch, wenn ich mir einen Film anschaue. Leider kommen solche Sachen in fast allen Filmen vor.
Ich warte ja auf den Tag, an dem ein Regisseur sich traut, und diese “Regel” durchbricht und z.B. mal der Böse im Film gewinnt. Klar will man zeigen, dass das Gute über das Böse siegen kann, aber wenn man mal ehrlich ist, im wirklichen Leben ist es sehr selten….
Alle Filme sollen möglichst realistisch um die Ecke kommen, aber alle achten sie nur auf die Optik, es kommt keiner mal drauf die Story oder die Dialoge realistisch zu gestalten. Wenn ich mir manchmal anhöre, was für Dialoge manche Filme haben. OMG! So würde man nie im echten Leben reden. Die ganze Filmszene sollte mal revolutioniert werden: Die Bösen gewinnen, und da unsere Gesellschaft sowieso immer mehr verblödet gibt es simplere Dialoge à la: “Ey, gehst du heut Kino?” “Klar geh isch!”
;-P
Liebe Regisseure, erklärt es uns. Bitte. http://passthestyle.com/2009/12/erklaert-es-uns-bitte/