7th February 2012

Filmreview: All Inclusive

Posted by Jeannine Thiele on Dezember-2-2009 3 Commented

All Inclusive

Wer sich zurzeit das aktuelle Kinoprogramm ansieht, wird manchmal gar nicht wissen, für welchen Film er sich gerade entscheiden soll. Es gibt der Saison entsprechende Weihnachtsfilme und Animationen, Horror und Drama als auch Komödien en masse. Die Vorweihnachtszeit bringt nun mal auch gerne Kassen klingelnde Blockbuster mit sich. Dabei verspricht der Trailer oder das Plakat oftmals mehr als der Film halten kann. Die Ausnahme? Ein Film mit Vince Vaughn.

Wer den Eintrittspreis für “All Inclusive” bezahlt, sollte nämlich aus Erfahrung genau wissen worauf er sich einlässt: Eine mehr oder weniger romantische Komödie mit nahezu den gleichen Schauspielern wie schon zig Mal zuvor, die im besten Fall leicht amüsant und im schlimmsten Falle Zeitverschwendung ist. Und die Witz beinhaltet, der ab und zu unter die Gürtellinie geht. Sozusagen nichts für diejenigen, die intellektuell anspruchsvolle Unterhaltung suchen, aber gut für all die, die 114 Minuten unangestrengte Abwechslung brauchen.

Vince Vaughn in All Inclusive

Nach dem Drehbuch von Vince Vaughn und seinem besten Buddy Jon Favreau, basiert “All Inclusive” nun auf dem Thema „Ehe“. Jason (Jason Bateman) und seine Frau Cynthia (Kristen Bell), erfolgsorientierte Yuppies und geplagt von verzweifelten Zeugungsversuchen, sehen ihre Ehe kurz vor dem Aus. Mit Hilfe eines Bora Bora Clubs inklusive Eheberatung und Therapie wollen sie es nun noch einmal versuchen wieder zueinander zu finden und betteln ihre Freunde um Unterstützung vor Ort an. Im Einzelnen wären da Dave (Vince Vaughn), der mit seiner Frau Ronnie (Malin Akerman) ein ganz durchschnittliches Eheleben, bestehend aus nervenden Kindern und nicht endenden Renovierungen, führt. Joey (Favreau) und Lucy (Kristin Davis), die konstant den außerehelichen Nervenkitzel suchenden – High School Sweethearts. Und zu guter letzt noch Shane (Faizon Love), der, bereits frisch geschieden, im Moment seine Jugend mit der 20-jährigen Trudy (Kali Hawk) versucht wiederzubeleben. Doch das idyllische Eden-Ressort wird mit eiserner Faust geführt und die Therapiesitzungen sind für jeden Gast vertraglich vorgeschrieben. Was folgt sind Bloßstellungen ihrer eigenen Probleme…

All Inclusive

Vince Vaughn sprach einmal in Interviews von Filmen mit realer Handlung. Dass ihm das Leben an sich, speziell Beziehungsprobleme, genügend Stoff für Drehbücher liefere. Und so unrecht hat er damit nicht. Schließlich sind wir doch alle umzingelt von Pärchen, die entweder zu früh geheiratet haben oder nur noch aus Gewohnheit zusammen sind. Die sich tagein, tagaus ankeifen oder ständig fremdgehen. Als Lösungsversuch, wird dann meist schnell mal nach einem Urlaub unter Palmen gegriffen. In sofern hat er – wie “angedroht” – alles von seiner Umwelt übernommen. Doch wir sprechen ja von einem „Vaughn und Faverau“-Drehbuch! Demnach reden wir hier auch nicht über eine ernste Behandlung der genannten Themen sondern eher über Witze hinsichtlich Pärchen-Yoga und Therapie. Somit wird logischerweise auch nur die kleinste Kleinigkeit extrem belustigend ausgekostet.

All Inclusive

Ob nun der Fingerzeig, geformt zur Pistole, gerichtet auf den Therapeuten, einer erotisierenden Vorführung des Lehrers oder einer Körpermassage mit falschen Signalen. Jeder Dialog und jede Szene strotzt nur so vor überzogenen Akten. Umso besser wäre es demnach auch gewesen, sich über die komplette Laufzeit an genau dieses Humorprinzip zu halten. Stattdessen aber scheint der Regisseur Peter Billingsley (auch ein guter Freund Vaughns) ab und zu mal den Faden verloren zu haben. Dabei scheint er sich nicht entscheiden zu können, ob er nun eine witzige Satire über heutige Therapiemöglichkeiten dreht oder über den alltäglichen Zerfall von Ehen. Speziell auch, ob man die Charaktere nun ernst nehmen soll oder nicht. Doch ernst genommen werden die Paare als auch ihre Konflikte vom Zuschauer sowieso nicht. Zum einen, weil es bekannte Komiker sind und zum anderen, weil es eben äußerst schwierig ist eine Komödie mit Drama zu balancieren und dabei noch stets einen konstanten Ton zu halten.

Manche Handlungen, speziell im letzten Teil, fallen dann auch relativ flach aus. Man bekommt das Gefühl, dass sowohl Drehbuchautor als auch Regisseur auf Biegen und Brechen schnell den Dreh zum Happy End angestrebt haben. Und gerade das Ende ist von vornherein so voraussehbar mit gähnendem Slapstick versehen worden, wie nur möglich. Doch wer bis dahin geschaut hat, der wird dann auch nicht mehr das Kino verlassen.

All Inclusive

Aber es ist ein Männerfilm sozusagen. Man bekommt sogar ein „Guitar Hero“ Duell zu sehen. Die von Bier und Pizza gezeichneten Jungs sind alle ein wenig pummliger, versauter und mit wesentlich mehr Screentime gesegnet als ihre weiblichen Kolleginnen. Sie bekunden durchweg ihr Ego, ihren Frust und ihr Problem mit dem Alter. Im Englischen würde man sagen sie sind “selfish SOBs”. Und die Damen? Tja, die sind genauso eindimensional wie ihre Gatten. Trudy möchte Party, Lucy den Yogalehrer, Ronnie Romantik und Cynthia wohl einfach nur weg von ihrem kontrollsüchtigen Ehemann.

Hinsichtlich der Schauspielleistung kann man folgendes sagen: Vaughn ist er selbst. Schnellsprechend, trocken und mit leichten, untypischen Zeichen von Reife. Favreau und Love treffen genau ins Schwarze und sind eins mit der Rolle. Bateman portraitiert einen Mix aus Michael Bluth („Arrested Development“) und Riggleman („The Break-Up“) und die Frauen sind bis auf Malin Akerman leider belanglos und austauschbar. Wer aber auf der anderen Seite jedem im Gedächtnis bleibt ist, Carlos Ponce als knapp bekleideter und gut gebauter Yoga Lehrer.

All Inclusive Cast

Letztendlich lässt sich aber zusammenfassen, dass „All Inclusive“ natürlich kein „Swinger“-Update ist, in dem mit scharfem Witz das männliche Ego analysiert wird. Der Film basiert zwar im Großen und Ganzen auf Ego, doch ein Anschluss an den Vaughn/Favreau-Hit ist der Film sicherlich nicht. Aber er versorgt den Zuschauer mit genügend Material an FSK13-Humor und gewährt nichtsdestotrotz auch ganz gute Unterhaltung. Und manchmal ist es doch auch schön, sich einfach nur berieseln zu lassen…

Bewertung:

Bewertung 3 von 5

Filminformationen:

Genre: Komödie

Kinostart: 05.11.2009

Regie: Peter Billingsley

Drehbuch: Jon Favreau, Vince Vaughn

Schauspieler: Vince Vaughn, Jon Favreau, Jason Bateman, Faizon Love, Malin Akerman, Kristen Bell, Kristin Davis, Kali Hawk

Offizielle Website: http://movies.universal-pictures-international-germany.de/allinclusive/

Trailer: Jetzt anschauen!

IMDB-Seite: http://www.imdb.com/title/tt1078940/

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