8th February 2012

Filmreview: Whatever Works

Posted by Reviewnator on Dezember-16-2009 3 Commented

Whatever Works

Woody Allen hat es schon einmal mit seinem Meisterwerk „Manhattan“ bewiesen: New York verändert Menschen. Dass der Stadtneurotiker sich selbst viele Jahre von seiner Heimat entfremdete und in Europa, mit europäischen Filmen, mit europäischen Schauspielern eine neue Ausdrucksweise fand, macht diese These umso glaubwürdiger. Mit der bissigen Komödie „Whatever Works“ kehrt Allen jedoch zu seinen geographischen Wurzeln zurück und legt nichts geringeres als den Geheimtipp 2009 aufs Parkett.

Whatever Works

Boris Yelnikoff (Larry David) ist kein netter Zeitgenosse. Er hält sich für ein verkapptes Genie, das viel zu intelligent ist, um die Welt mit positiven Augen zu sehen. Deshalb pöbelt er auch 8-jährige Kinder beim Schach-Training an und scheitert zwei Mal am Selbstmordversuch. Der humpelnde Misanthrop lebt zurückgezogen in einer recht schäbigen New Yorker Wohnung und wartet darauf den richtigen Moment zu finden, sein Leben zu beenden. Durch Zufall begegnet er der Streunerin Melody (Evan Rachel Wood), die sich mit ihrer naiven Art direkt bei Boris einnistet. Auf nicht gerade romantische Weise kommen sich die Beiden näher und heiraten sogar. Doch dann taucht erst Melodys Mutter (Patricia Clarkson) und später ihr Vater (Ed Begley Jr.) auf um sämtliche Konventionen völlig auf den Kopf zu stellen.

Whatever Works

Kürzlich sprach ich mit einem etwas älteren, sehr weisen Creative Director einer Werbeagentur. Ich wies Ihn darauf hin, dass der neue Woody Allen Film „Whatever Works“ sehenswert sei. Daraufhin sagte er entrüstet: „Woody Allen? Mir kommt es so vor als hätte der nur einen Film gedreht, da geht es immer um das Gleiche“. So ganz unrecht hat er da natürlich nicht. Woody Allen greift in seinen Filmen stets menschliche Beziehungen auf und ist bekannt für Humor der subtilen Sorte. Dass dabei aber ein so erfrischend witziger Film mit reichlich Tiefgang wie „Whatever Works“ entstehen kann, ist selbst für eingefleischte Allen Fans wie mich eine Überraschung.

Whatever Works

Ging es in seinem letzten in Europa gedrehten Streifen „Vicky Christina Barcelona“ noch um die Sprengung alter Beziehungsdenkmuster und wirkte die Idee zwar neu aber doch nicht ganz ausgereift, hat Woody Allen nun einen luftig leichten Weg gefunden, den Faden weiter zu spinnen. Daraus ein Netz zu machen. Mit Boris Yelnikoff erfindet er einen Anti-Helden, der mit seinem nimmer endenden Monolog zu Beginn des Films bereits die Gemüter spaltet. Entweder man liebt ihn für seine spontanen Wutausbrüche, seine dunkelschwarze Sicht der Dinge oder man hasst ihn dafür, dass er einfach er selbst ist. Mit Melody als „always happy girl“, schafft Allen einen Gegenpol zum alten Grießgram Yelnikov. Und das tut dem Film richtig gut. Als Melodys Eltern dann noch mit in den Plot integriert werden, kommt man kurz auf den Gedanken, dieses filigran entwickelte Gleichgewicht könnte kippen, doch der Film schafft es auf äußerst imponierende Weise, die Eltern voll in die Handlung zu integrieren.

Whatever Works

Ein Großteil des Lobes streichen die exzellenten Darsteller ein. Larry David („Seinfeld“, „Sour Grapes“) spielt den neurotischen Misanthrop so glaubwürdig, dass sich selbst ein Jack Nicholson noch etwas angucken könnte. Der sehr jungen Evan Rachel Wood nimmt man das naive Dummchen, das zwischen den Zeilen dann doch nicht ganz so dumm ist, ohne Zweifel ab. Und selbst die Nebenrollen sind ein absoluter Volltreffer.

Whatever Works

„Whatever Works“ ist wiedererwarten eine der besten Komödien 2009 und bringt noch mal richtig Schwung in das eher ernüchternd auslaufende Kinojahr. Woody Allen zeigt ein weiteres Mal, dass New York ihn in seiner Kreativität und Scharfsinnigkeit beflügeln kann und setzt einen furiosen Schlussstich unter die „Abenteuerreise“ Europa.


Bewertung:

Bewertung 5 von 5

Filminformationen:

Genre: Komödie

Kinostart: 03.12.2009

Regie: Woody Allen

Drehbuch: Woody Allen

Schauspieler: Larry David, Evan Rachel Wood, Patricia Clarkson, Ed Begley Jr.

Offizielle Website: http://www.whateverworks.centralfilm.de/

Trailer: Hier anschauen!

IMDB-Seite: http://www.imdb.de/title/tt1178663/


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