Dass aus Tinseltown keine filmtechnischen Innovationen zu erwarten sind, hat sich mittlerweile auch bis zur letzten Reihe herumgesprochen, für die Hollywood so gern dreht, erklärt, Millionen investiert. Man erwartet es ja auch gar nicht mehr anders. Aber irgendwann ist dann eben doch der Punkt erreicht, an dem sich Otto Normalzuschauer an den Kopf packt oder gleich seine aufgerollten Fußnägel unter Kontrolle zu bringen sucht. Was ist ganz aktuell der Grund? Zwei Ankündigungen.

Schweifen wir mal kurz ab, in selige Schulzeiten, langweilige Unterrichtsstunden. Da stand also die gestrenge Frau Lehrerin vor der Klasse und erzählte eifrig über etwas, das außer ihr niemanden interessierte. Handys gab es damals noch nicht, ebenso wenig tragbare Mini-Computer oder ähnliches, mit denen man sich hätte gegen den übermächtigen Schlaf wehren können. Der Schüler von damals musste also selbst kreativ werden: Man schrieb sich kleine Briefe mit heißen Liebesschwüren, lackierte sich im Falle der Mädchen unauffällig die Fingernägel, las den neuesten Roman. Oder, wenn man mit seinem Banknachbarn einen halbwegs freundschaftlichen Faden spann, rupfte eine Seite aus dem Block und spielte etwas. Zum Beispiel den Klassiker „Schiffe versenken“. Ach, war das eine schöne Zeit! Genau das hat Hollywood jetzt wohl auch erkannt und für 2010 eine Realverfilmung des Pausenfüllers angekündigt. So flimmert also bald das Projekt „SCHIFFE VERSENKEN“, im Englischen als „BATTLESHIP!“ bekannt, über die großen Leinwände dieser Welt. Wahrscheinlich sauteuer, sicher jede Soundanlage zerlegend, garantiert vollkommen sinnfrei. Eine echte Handlung gibt es bekanntlich nicht, aber das interessiert die dollargeile Maschinerie ja einen feuchten Kehricht. Geht es eigentlich noch blödsinniger?! Ja, in der Tat. Deshalb hat auch Ridley Scott ein neues Werk angekündigt, was angesichts seiner letzten cineastischen Ergüsse ja schon schlimm genug wäre, aber… der Mann, welcher uns einst „Alien“ und „Bladerunner“ schenkte, hat ganz ernsthaft vor, „Monopoly“ zu adaptieren. Da erübrigt sich wirklich jeder Kommentar.

Nun stelle man sich jedoch mal angstgeschüttelt vor, die Projekte haben Erfolg, produzentenseitig wird das große Geld gewittert und die – vermeintliche – Marktlücke gefüllt. Wie geht das Ganze dann wohl weiter? Vielleicht sehen wir demnächst folgenden Trailer: Zwei Blondinen sitzen an einem Tisch. Schnelle Schnitte auf ihre stark geschminkten Augen. Die Jüngere zieht nervös an einer Zigarette. Spannungsmusik läuft im Hintergrund. Nahaufnahme eines Schweißtropfens, der Blondine Nummer 2 über die Wange rinnt. Die Musik schwillt an. Blende auf einen Stapel Münzen, welcher auf dem Tisch liegt. Eine sonore Männerstimme aus dem Off: „Erleben Sie den Thriller des Jahres…“ Überblende, ein weiterer nervöser Zug an der Zigarette. Böse blickende Augen. Schwenk auf die nackte Glühbirne, über dem Tisch hängend. Männerstimme: „Sie liefern sich ein Duell ohne Gnade!“ Jetzt vernichtende Blicke. Die ältere Blondine fährt sich hektisch durchs Haar. Die Glühbirne schwankt bedrohlich hin und her, Schatten werden an die Wand geworfen. Stimme: „Erleben Sie Scarlett Johansson und Michelle Pfeiffer im nervenzerfetzenden Thriller TIC TAC TOE – demnächst im Kino!“

Oder auch vorstellbar ein Radiospot wie dieser: „Fünf Menschen, gefangen in einem schockierenden Spiel – doch es kann nur einen Sieger geben. Und bald waren es nur noch vier… Meryl Streep, Penélope Cruz, Nicolas Cage, Jason Statham und Jessica Alba in REISE NACH JERUSALEM!“ Nein, da bleibt man lieber zu Hause und gibt sich einer gepflegten Runde Poker hin – oder?
Der Tino











Gute Kolumne. Ich kann das auch nicht verstehen, wie man auch als Regisseur so abgestumpft sein kann und wenn man dann gar nicht mehr weiter weiß, sitzt man in seiner Villa mit einem Glas Rotwein und auf einmal kommt die geniale Idee, ein Gesellschaftsspiel zu verfilmen! Klar. Liegt auf der Hand.
Wenns wenigestens “Risiko” gewesen wäre, da immerhin noch was los. Aber Schiffe versenken? Oh man…
Kolumne zur Verfilmung von Gesellschaftsspielen: http://passthestyle.com/2009/12/verfilmung-von-gesellschaftsspielen-gehts-noch/