
Die heutige Kolumne soll zunächst einmal dem Outing dienen: Euer wackerer Tino trägt schon lange schwer am Gedanken eines in Eigenregie verfassten Drehbuches. Nun soll sich der Schriebs aber natürlich auch verkaufen, bestenfalls bis nach Hollywood. Ergo gilt es, gewisse Standards einzuhalten und Regeln zu befolgen, denn Innovationen sind über den großen Teich ja nun mal nicht gern gesehen. Was liegt also näher, als sich etwas Zeit zu nehmen, um die beliebtesten Klischees zu eruieren, zu bündeln und daraus eine Geschichte zu machen, die mit Sicherheit reißenden Absatz findet?! Eben. Das Ergebnis sei Euch nicht vorenthalten, erhebt aber natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit der berücksichtigten Stereotypen. Im Gegenteil; da geht noch viel mehr. Quasi eine erste Rohfassung…
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Tino geht ins Kino – Von Zukunftsplänen und lieb gewonnenen Klischees
Tino geht ins Kino – Und trifft dort Hollywoods liebste Rabenmutter

Neulich sitze ich im Programmkino meines Vertrauens, um im Rahmen eines Virginia Woolf-Themenabends „The Hours“ anzuschauen. Ihr wisst schon, dieses epische Werk, in dem Nicole Kidman zur zornig gefalteten Stirn eine übergroße Nase im Gesicht trägt, mit toten Vögeln kuschelt und dafür diverse Preise nachgeworfen bekommen hat. Der wunderbare Score aus Philip Glass’ Feder entführt mich gerade in magisch-ferne Sphären, da sorgt ihr Auftauchen plötzlich für ernüchternde Bodenhaftung: Julianne Moore. Diesmal als ziemlich verpeilte Vorstadtfee Laura besetzt, deren Sanftheit schon an Phlegma grenzt und die erst nach einem lesbischen Kuss sowie Lektüre des Woolf-Bestsellers „Mrs. Dalloway“ genug Kraft aufbringt, ihren gähnend langweiligen Mann zu verlassen.
Tino geht ins Kino: Von duplizierten Blumen und aufgewärmten Ideen

Neulich gefiel es einer meiner homosexuellen Freundinnen, Euren alten, manchmal etwas trotteligen Tino weiterzubilden. Und so erfuhr ich denn, dass Getrude Stein in Lesbenkreisen angeblich quasi Ikonenstatus besitzt, welcher wiederum auf ihrem Zitat „Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose“ fußt. Nun möchte diese Kolumne weder das Literarische Quartett noch die fröhliche Metaphern-Interpretations-Ecke sein. Was immer Frau Stein mit ihren tiefsinnigen Worten sagen wollte, ob sie vielleicht auch bloß im Vollrausch sprach, möge also jeder für sich ganz allein herausfinden. Nichtsdestotrotz bringt uns besagter Sinnspruch zum Thema der heutigen Kolumne.
Tino geht ins Kino: Von Kindheitstraumata und unterdrückten Rufnummern

Es gibt Ereignisse im Leben jedes Menschen, die entscheidend prägenden Charakter besitzen und meist in der Kindheit stattfinden. Beispielsweise könnte folgendes Szenario gewisse dunkle Flecke auf der Seele hinterlassen: Man schläft als grünes Gör den Schlaf der Gerechten und wird plötzlich von einem wüsten Schrei aus süßen Träumen gerissen. Ausgestattet mit dem Heldenmut eines Kindes geht man diesem nach und sieht plötzlich Mutti, Oma oder Tante mit Häschenpantoffeln beschuht auf dem Küchentisch stehen, fiese Gurkenmaske im Gesicht, das dünne Nachthemd bis zum Kinn gezogen, noch immer haltlos kreischend und unter Einsatz ihres Fußes zitternd auf eine winzige, kaum weniger verängstigt wirkende Spinne deutend. Da rückt der Berufswunsch „Kammerjäger“ unvermittelt in greifbare Nähe.
Tino geht ins Kino: Von verknoteten Zungen und geistigen Höhenflügen

Am einfachsten erscheint wohl die Lösung, gar nichts zu verändern und damit dem im Englischen nicht so sattelfesten Teil des hiesigen Publikums böse Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Ich möchte nicht wissen, wieviele bedauernswerte Kinokassendamen sich literweise fremden Speichel vom Gesicht wischen mussten, weil am laufenden Meter Karten für „The Sixth Sense“ (sprecht das mal laut aus!) verlangt wurden… Möglichkeit Nummer 2 und ganz besonders clever: Man ersetzt das Original durch einen anderen englischen Titel. Ja, das ist originell, darauf muss man erst einmal kommen! Erinnert sich beispielsweise noch jemand an die fiese kleine Thriller-Komödie „Heathers“? Nein? Geht ja auch nicht, schließlich hieß sie hierzulande „Lethal Attraction“. Boah! Gratulation an das dafür zuständige Hirn.
Tino geht ins Kino – und bleibt bei seinen Leisten

Man mag es kaum glauben, aber auch Euer guter alter Tino war einmal jung… voller Hoffnung… mit Illusionen, Träumen und Zielen… dem Tatendrang erlegen. Lang ist das her. Mittlerweile sehe ich meinem Körper nur noch beim Verfall und meinen Träumen beim Davonfliegen zu. Dennoch oder gerade deshalb kann ich verstehen, wenn andere Menschen ihre Ziele anpacken – und sich dabei brutal verheben.










